Pristiphora abietina

Kleine Fichtenblattwespe

( Hymenoptera , Symphyta , Tenthredinidae , Nematinae )

© W.H.


Dieser hartnäckige Forstschädling fällt durch den verursachten Schaden auf. Bereits im Frühjahr verfärben sich die Maitriebe der Fichten braun.


Verbreitung

Die Kleine Fichtenblattwespe ist in Mittel- und Nordeuropa verbreitet. Im Osten kommt sie bis in die europäische UDSSR vor, sie fehlt scheinbar im Mittelmeergebiet


Wirtspflanzen

Die Larven entwickeln sich monophag an den Nadeln von Picea abies.


Merkmale

Imagines

Klein; ca. 5-6 mm. Männchen blaß gelbbraun mit braunschwarzer Zeichnung, Weibchen schwarzbraun mit helleren Flecken.

Eier

Eier farblos, anfangs ca. 1 mm lang und 0.3-04 mm breit.

Larven

Altlarven 12-15 mm, Körper hellgrün mit gelblichem oder bräunlichrotem Kopf.


Biologie

Schlupf

Die Imagines erscheinen Ende April bis Anfang Juni. Die Tiere schlüpfen hauptsächlich in den Vormittags- und Mittagsstunden. Dabei erscheinen die Männchen 2-3 Tage vor den Weibchen (schwache Protandrie).

Eiablage

Die Eiablage erfolgt vorwiegend in den Mittagsstunden an den Nadeln junger, noch nicht gespreizter Fichtenknospen. Das Ei wird dabei an die Außenseite der Nadel (meist nah der Basis) in einer Eitasche versenkt.


Meist werden mehrere Eier pro Knospe abgelegt (3-6, max. 20 Eier/Knospe). Das Weibchen benötigt etwa 1-3 Minuten für die Ablage eines Eies.

Larven

Die Junglarven schlüpfen kurz nach Austrieb der Fichtenknospen. Zunächst beißen sie die Nadeln in ihrer Mitte an der Außenkante an und skelettieren sie zur Nadelbasis hin. Altlarven fressen von der Nadelspitze her, wobei diese verschont bleibt. Der Schaden wird dadurch sichtbar, daß die Nadelreste vertrocknen und sich kräuseln. Es werden nur diesjährige Nadeln gefressen. Zwar können sich mehrere Larven in einer Knospe entwickeln, in ihrer Verhaltensweise sind sie jedoch eher solitär. Bei Gefahr zeigen sie die Nematinen-typische S-förmige Schreckstellung. Männchen durchlaufen 4, Weibchen 5 Larvenstadien. Die Larven benötigen etwa 2-3 Wochen für ihre Entwicklung.

Verpuppung

Anfang bis Mitte Juni spinnen sich die Altlarven vom Baum ab und bilden einen Kokon in der Streuschicht oder den oberen Bereichen des Humusbodens.


Die Überwinterung erfolgt als Eonymphe im Kokon.


Die Verpuppung erfolgt im Frühjahr (April) des nächsten Jahres.

Generationen

In der Regel 1-jährig (durch Überliegen kann die Entwicklung jedoch mehrjährig werden).


Forstliche Bedeutung

P. abietina gilt in vielen Ländern Europas als bedeutender Forstschädling. Ausbrüche erfolgen in unregelmäßigen Abständen, sind dann aber recht hartnäckig und ziehen sich jahre- oder jahrzehntelang hin. Die Kalamitäten treten besonders in den künstlichen Anbaugebieten der Fichte auf: Sie beginnen oft in jungen Fichtenreinkulturen (jünger als 10 Jahre) oder im jungen Stangenholz, gehen dann aber auch auf Althölzer über.

In Bayern haben die Ausbrüche in den letzten Jahren stark zugenommen und in einigen Regionen ist die Kleine Fichtenblattwespe zum Dauerschädling geworden. Eine Bekämpfung der Art ist schwierig, da ein Teil der Kokons mehrere Jahre überliegen kann, so daß selbst nach Bekämpfungsmaßnahmen die Populationsdichten häufig im folgenden Jahr erneut ansteigen.

Die Larvalentwicklung ist an ein ganz bestimmtes Knospenstadium gebunden ist (Koinzidenz). Da die einzelnen Bäume eines Bestandes zeitlich unterschiedlich austreiben hat dies zur Folge, daß innerhalb des Bestandes einige Bäume komplett befallen, andere jedoch unbefallen sind.

Schäden: Deformationen u.U. auch Absterben der Triebe: Wipfelmißbildungen, Bajonetbildung, Mehrwipfeligkeit, Schopfbildung, Verbuschung.


Bestimmungsübungen an Insekten

Last modified: 12.07.02