Galle von Pontania viminalis

Pontania COSTA 1859

[ Hymenoptera , Symphyta , Tenthredinidae , Nematinae ]

© J.- P. Kopelke


Die Gattung Pontania nimmt innerhalb der Blattwespen neben Euura und Phyllocolpa eine Sonderstellung ein: Pontania und Euura sind dadurch gekennzeichnet, daß sie Gallbildner sind, wobei sich die Pontania-Larven meistens in fleischigen, auffälligen Blattgallen entwickeln. Phyllocolpha erzeugt Blattwickel.


Verbreitung

Bis 1970 waren weltweit etwa 70 Arten, in Europa ca. 30 Arten beschrieben. Umfangreiche Untersuchungen in Europa, die vor allem durch J.-P. Kopelke am Senckenberg-Museum durchgeführt wurden, zeigen, daß die Systematik dieser Gruppe weitaus komplizierter ist, als bis dahin angenommen (s. Literatur).


Wirtspflanzen

Pontania entwickelt sich auf Weiden (Salix spp.), in Nordamerika auch auf Populus-Arten. Dabei ist die Wirtspflanzen-Spezifität weitaus größer, als früher angenommen.


Merkmale

Die Larven besitzen gut ausgebildete Kopfkapseln mit kräftig beißenden Mundwerkzeugen. Brustbeine- und Bauchfußpaare sind ausgebildet. Der Körper ist meist weißlich bis hellgelb gefärbt. Männliche Tiere durchlaufen 5, weibliche Tiere 6 Larven-Stadien.


Gallen

Pontania erzeugt meist Blattgallen. Diese bilden sich entweder nur auf der Blattober- bzw. unterseite, oder 'durchwachsen' das Blatt, so daß sie beidseitig sichtbar sind. Die Eier werden mit Hilfe des Sägeapparates in das Blattgewebe versenkt, ausschließlich an jungen, noch nicht voll entwickelten Blättern. Größe und Ausbildung der Gallen hängen von einer Reihe von Faktoren ab, z.B. Wirtspflanzen-Art bzw. Anzahl der Gallen je Blatt.

Die Form der Gallen unterscheidet sich bei den einzelnen Arten: P. viminalis ist durch kugelige, oft rote Gallen, P. vesicator durch eher wurstartige, blasige Gallen und P. proxima durch beidseite, oberseits oft rote Gallen gekennzeichnet.

Entstehung

Auslöser des Gallwachstums sind die Weibchen von Pontania. Bei der Eiablage werden gallinduzierende Sekrete mit abgegeben. Deutlich wird dies bei einigen Pontania-Arten, die oft Blätter anstechen, ohne jedoch dabei Eier abzulegen. Trotzdem bilden sich Gallen aus.


Biologie

Zur Eiablage sägt das Weibchen mit Hilfe ihres Sägeapparates Taschen in das Pflanzengewebe und versenkt darin jeweils ein Ei. Die Eier werden immer einzeln abgelegt, d.h. eine Galle enthält nur eine Pontania-Larve!

Die Larven ernähren sich vom Gewebe der Galleninnenwand. Einige Arten (z.B. P. proxima) fressen im 3. Larvenstadium ein Loch in die Gallenwand und befördern den angesammelten Kot nach draußen. Die Larve verbleibt jedoch bis zum Ende der Entwicklung in der Galle. Andere Arten erzeugen dieses Loch erst im 5. Larvenstadium. Zur Verpuppung verlassen die Altlaren die Galle und spinnen im Erdboden einen Kokon.

Während der Kokonperiode werden das Eonymphen-. Pronymphen- und Puppenstadium durchlaufen, sowie eine wenige Tage dauernde imaginale Reifeperiode.
  • Eonymphe: Diese bildet sich kurz nach dem Einspinnen. Der Larvenkörper verkürzt sich und die Bauchfüße werden rückgebildet, der larvale Charakter bleibt jedoch erhalten. Dieses Stadium kann von wenigen Tagen bis zu mehreren Jahren (Überliegen) dauern.
  • Pronymphe: Sie ist durch die Ausbildung des Puppenauges gekennzeichnet.
  • Puppe: Sie entsteht aus der Pronymphe nach einer weiteren Häutung. Es handelt sich um eine Pupa libera.
  • Imaginale Reifeperiode: Sie ist nur kurz, die Imagines beißen nach wenigen Tagen ein Loch in den Kokon und verlassen diesen.

Die Dauer der Kokonperiode erstreckt sich bei Subitanentwicklern über ca. 20 Tage, oft neigen die Tiere jedoch zum Überliegen. In diesem Fall kann sich die Kokonperiode über mehrere Jahre erstrecken.


Natürliche Feinde

Die Arten der Gattung Pontania haben einen ausgeprägten Feindkomplex, darunter:

Vögel

Brutparasiten

Parasitoide


Systematik

Die Systematik der Gattung Pontania ist in den letzten Jahren besonders durch J.-P. Kopelke vollständig überarbeitet worden und auch jetzt noch in vollem Fluß. Literatur und Bestimmungsschlüssel vor 1982 sind nur mit 'Vorsicht zu genießen'. Auf jeden Fall benötigt man zur Bestimmung Spezialliteratur.

Die Imagines der Arten sind nicht leicht voneinander zu unterscheiden. Oft helfen nur Merkmalskombinationen (s. z.B. Kopelke 1990a).

Häufig ist eine Artbestimmung nur mit Hilfe der Genitalien möglich (und oft helfen diese auch nicht weiter):
  • Bei den Weibchen sind es die Sägeblätter.
  • Bei den Männchen muß die Struktur des Penis zur Artdiagnose herangezogen werden.

Die Gallen vieler Pontania-Arten können durch ihre Form, ihre Position an der Pflanze und/oder bei Kenntnis der Wirtspflanzen-Art bestimmt werden.


Beispiele


Literatur zu Pontania


Bestimmungsübungen an Insekten

Last modified: 09.03.02