Weibchen von Gilpinia frutetorum

Fam. Diprionidae

Buschhornblattwespen, diprionids

( Hymenoptera , Symphyta , Tenthredinoidea )


Bei den Diprioniden handelt es sich um eine kleine Hymenopteren-Familie, die hauptsächlich in den nördlichen temperierten Koniferen-Regionen verbreitet sind. Die Larven entwickeln sich phytophag an Kiefer und Fichte. Eine Reihe von Arten sind von forstlicher Bedeutung.


Verbreitung

In Europa kommen ca. 20 Arten in 7 Gattungen vor.


Biologie

Imagines

Bei den 8-11 mm großen Imagines handelt es sich um gedrungen gebaute, langsam fliegende Blattwespen. Die Männchen besitzen dicht und lang gekämmte Fühler (Name).


Die Antennen der Weibchen sind deutlich gesägt (Sexualdimorphismus). Sie setzten sich aus 18-32 Gliedern zusammen, wobei die Männchen meist eine höhere Gliederzahl aufweisen. Die Weibchen sind stets größer als die Männchen.

Larven

Länge erwachsener Larven je nach Art 15-28 mm. Rumpf zylindrisch, ventral heller als dorsal, oft durch Streifen und Flecken gezeichnet. Thorakalbeine 5-gliedrig, Abdominalbeine an den Segmenten 2-8 und 10. Die Larven besitzen 3-gliedrige Antennen.

Eier


Die Eier sind weiß, gelb-weiß oder grün.

Kokons

Pupa libera mit freien Körperanhängen.

Die Kokons sind doppelwandig und meist recht robust.


Biologie

Ernährung

Die Imagines besuchen Blüten, lecken an Honigtau oder nehmen keine Nahrung auf. Die Larven sind phytophag und entwickeln sich, je nach Art, an Kiefer oder Fichte.

Eiablage

Die Eier werden einzeln oder in Gruppen in die Nadeln von Koniferen abgelegt. Einige Arten, wie z.B. Diprion pini, bedecken sie anschließend mit einem schaumigen Sekret.

Larven

Je nach Art fressen sie solitär oder gregär an den Nadeln. Weibliche Larven durchlaufen ein Larvenstadium mehr als Männchen, werden so größer, benötigen aber deshalb auch länger für ihre Larvalentwicklung.

Kokons

Die Verpuppung erfolgt oberirdisch oder in den obersten Streuschichten. Es wird ein relativ fester doppelwandiger Kokon durch Ausscheidung eines Spinnsekretes aus den Spinndrüsen gebildet. Die Kokons sind zunächst weiß und weich, können jedoch später unter dem Einfluß von Feuchtigkeit braun werden. Viele Arten neigen zum Überliegen, welches 3-4 Jahren dauern kann (s.u.).


Besonderheiten

Männchen finden die Weibchen mit Hilfe von Sexualpheromonen

Weibchen locken die Männchen zur Begattung mit Hilfe von Sexualpheromonen an. Die Antennen der Männchen sind mit einer großen Anzahl empfindlicher Sinneszellen ausgestattet. Damit diese alle 'untergebracht' werden können, sind sie bei den Männchen zur Oberflächenvergrößerung gekämmt. Es reichen schon geringste Mengen des Pheromons aus, um Männchen anzulocken. Bei Freilandversuchen konnten Männchen aus 200 m Entfernung angelockt werden.

Abwehrverhalten der Larven

Larve von Dipiron pini, die gerade mit einem Harztropfen hervorwuergt, um sich damit zu verteidigen.

Wie viele andere Blattwespen-Arten zeigen auch die Diprioniden-Arten bei Störung eine U-förmige Schreckstellung. Die Larven besitzen im Schlund eine Art Tasche, in der sie für die Abwehr vor Feinden die Harze der Nadeln speichern. Bei Gefahr wird ein Tropfen ausgestülpt.

Viele Arten können überliegen

Nicht alle Individuen schlüpfen im nächsten Jahr erneut aus ihren Kokons. Oft verbleibt ein Teil der Individuen 2-4 Jahre in den Kokons in Diapause (sogenannte Überlieger). Der Anteil der Population, der überliegt, hängt von einer Reihe von Faktoren ab:

Nahrungsqualität

Witterungsbedingungen

Populationsdichte

Genetische Faktoren (?)


Forstliche Bedeutung

Eine Reihe von Arten sind bedeutende Forstschädlinge, v.a. die Arten an Kiefer (z.B. Neodiprion sertifer, Diprion pini, Gilpinia frutetorum etc.). Die Arten kommen, besonders nach trockenen und warmen Jahren, in mehr oder weniger unregelmäßigen Abständen immer wieder zum Ausbruch. Innerhalb kurzer Zeit können dann auch größere Kieferbestände fast vollständig entnadelt werden. Ausbrüche halten oft 2-3 Jahre an, bevor die Populationen durch Parasitoide, Pathogene und durch eine Verschlechterung der Nahrungsqualität reguliert werden. Bei kurzen Ausbrüchen werden die Bäume meist nicht zum Absterben gebracht, allerdings führt ihre Schwächung zu einer verstärkten Prädisposition gegenüber Sekundärschädlingen, wie Borkenkäfer (Scolytidae) und Prachtkäfer (Buprestidae).

Einige Diprioniden-Arten wurden nach Nordamerika und Kanada verschleppt, wo sie schweren Schaden angerichtet haben, so die Fichtenblattwespe Gilpinia hercyniae. Es gibt zahlreiche Biocontrol-Programme gegen Diprioniden, in deren Rahmen natürliche Feinde nachgeführt wurden.

Informationen zu Diprioniden-Pheromonen auf der Homepage von PHERODIP


Systematik

Zur Systematik


Bestimmungsübungen an Insekten

Last modified: 14.07.02