Weibchen von Diprion pini bei der Eiablage

Diprion pini (L.)

Gemeine Kiefernbuschhornblattwespe

( Hymenoptera , Symphyta , Diprionidae )

© Annette Herz


Verbreitung

D. pini wurde in ganz Europa, sogar in Algerien nachgewiesen.


Wirtspflanzen

Pinus sylvestris und Pinus nigra (bes. osteuropäische D. pini-Populationen)


Biologie

Imagines

Weibchen von Diprion pini

Männchen von Diprion pini

Wie bei den anderen Diprioniden unterscheiden sich auch hier die Geschlechter voneinander:
  • die Weibchen erreichen eine Länge von 8-10.5 mm, ihre Antennen sind gesägt.
  • die Männchen sind mit 7-9 mm deutlich kleiner, ihren Antennen sind kammförmig.

Im Gegensatz zu den Larven sind die Imagines nur schwer von Diprion similis zu unterscheiden.


Imagines von Diprion pini bei der Paarung

Die Kopula kann bereits kurz nach dem Schlüpfen erfolgen und dauert etwa 15-20 Minuten.

Eier

Weibchen von Diprion pini bei der Eiablage
Eigelege von Diprion pini

Die Eier sind weißlich-gelb und ca 1.5 mm lang. Insgesamt können 60-120 Eier in Form von 6-15 Reihen in Kiefernadeln abgelegt werden. Dabei ist die Anzahl der Eier pro Kiefernadel abhängig von deren Nadelgröße und Beschaffenheit: 10-20 Eiern bei Pinus sylvestris, bis zu 40 bei P. nigra (Schwarzkiefer). Die Eitaschen werden mit einem schaumigen Sekret abgedeckt. Die Dauer einer Eiablage liegt bei ca. 6-9 Minuten pro Ei, insgesamt erstreckt sich die Eiablage über mehrere Tage.

Larven


Die Larven entwickeln sich gesellig in Kolonien (gregäre Entwicklung) an den Nadeln von Kiefern. Die Junglarven erzeugen einen Pinselfraß (d.h., sie lassen die Mittelrippe der Nadel stehen), die Altlarven fressen die ganzen Nadeln bis zur Scheide ab. Bei Nahrungsmangel wird auch die Rinde der Zweige befressen. Bevorzugt werden die Altnadel von Kiefern gefressen, die Maitriebe werde auf Grund ihres höheren Gehaltes an Inhaltsstoffe gemieden. Männliche Larven durchlaufen 5, weibliche Larven 6 Larvenstadien. Als Folge unterscheiden sich die Altlarven (und später die Kokons, bzw. die Imagines) der beiden Geschlechter deutlich in der Größe.

Puppen

Die Kokons von D. pini sind hell oder dunkelbraun gefärbt. Dies hängt davon ab, ob das Einspinnen im Trockenen oder bei Feuchte stattgefunden hat.

Deshalb sind Sommerkokons (Kokons der 1. Generation), die sich an Zweigen und in Rindenritzen finden, hell, Winterkokons, die vor allem in den obersten Bodenschichten gebildet werden, dunkelbraun.


Entwicklung

Altlarven von Diprion pini, die einen Zweig entnadelt haben. Zurück bleiben nur die kurzen Nadelbasen.

Altlarven von Diprion pini, die einen Zweig entnadelt haben. Zurück bleiben nur die kurzen Nadelbasen.

Die Entwicklungszeiten sind stark abhängig von den Standorten und von der Jahreszeit.

  • Eizeit: im Freiland 2.5 - 6 Wochen, im Labor bei 25 C° 12 Tage.
  • Larvalzeit: im Freiland 55 - 99 Tage.

Generationen

Die Anzahl der Generationen ist stark abhängig von den Witterungsbedingungen: Können sich die letzten beiden Larvenstadien unter Langtag entwickeln, so schlüpfen die Imagines der nächsten Generation noch im gleichen Jahr. Unterliegen die beide letzten Larvenstadien Kurztagsbedingungen, so gehen sie in Diapause und die Imagines der nächsten Generation schlüpfen erst im darauf folgendem Jahr.
Deshalb durchlaufen Gebirgspopulationen nur eine, Tiefland-Populationen unter günstigen Witterungsbedingungen 1-2, in Ausnahmefällen (heiße Sommer) 3 Generationen pro Jahr.
Die Trennung der 2 Generationen von Tieflandpopulationen wird dadurch kompliziert, daß die Imagines meist in mehreren Wellen schlüpfen. Dadurch können sich die Larven der 1. Generation mit denen der 2. Generation überlagern.

Weiterhin kann sich die Diapause bei D. pini über bis zu 3 Jahre erstrecken ("Überliegen").


Forstliche Bedeutung

Ausbrüche erstrecken sich i.d.R. über 1-3 Jahre. Befallene Flächen sind meist nur einige hundert ha groß, gelegentlich erfolgen jedoch Ausbrüche auch auf größeren Flächen (z.B. Ostdeutschland 75.000 ha). Die auslösenden Faktoren sind unbekannt, fördernd wirkend sich aber anscheinend trockene und warme Jahre aus, in denen sich die Populationen über 2-3 Generationen pro Jahr aufbauen können.
Meist wird P. sylvestris (in Jugoslawien P. nigra) befallen, wobei ältere Bäume bevorzugt werden (im Gegensatz zu Neodiprion sertifer). Da meist nur Altnadel befressen werden, können die Bäume einen 1-jährigen Kahlfraß überleben. Weitere Schädigungen erfolgen aber über Sekundärschädlinge wie z.B. Borkenkäfer oder Prachtkäfer.
Kokondichten bei Ausbrüchen oft mehrere 100 Kokons/m² Eidichten >100.000 Eier/Krone, mittlere Larvenzahlen > 2.000 - 10.000 Larven/Baum. Kritische Dichten in 40-jährigen Beständen mittlerer Bonität: 12 Kokons/m².

Faktoren die zum Zusammenbruch der Gradation führen sind: Eiparasiten, Kokonparasitoide und Räuber.


Natürliche Feinde

Prädatoren

Als bedeutender Larvenprädator wurde oft die rote Waldameise beobachtet. Vögel scheinen als Larvenprädatoren von untergeordneter Rolle zu sein.

Mäuse und Spitzmäuse können, besonders zu Zeiten der Latenz, große Mengen an Kokons vernichten. Daneben sind Elateridenlarven, Wildschweine und Eichhörnchen und bei oberirdischen Kokons Vögel wie Meisen und Kleiber von Bedeutung.

Parasitoide

Parasitoide sind, besonders zu Zeiten der Ausbrüche, von großer Bedeutung. Sie bauen, zeitversetzt, ihre Dichten schnell auf und können u.U. mit Parasitierungsraten von mehr als 90% erheblich zur Reduzierung des Schädlings beitragen. Beteiligt an den Zusammenbrüchen sind besonders die Kokonparasitoide.

Hier geht's zu einer Liste europäischer Parasitoiden-Arten.

Pathogene

Es gibt eine Reihe von Pilzen, die die Kokons angreifen, besonders während feuchter Herbst- und Wintermonate.

Virosen sind bei D. pini nicht bekannt geworden (ganz im Gegensatz zu anderen Diprioniden, wie z.B. Neodiprion sertifer).


Bestimmungsübungen an Insekten

Last modified: 24.07.02