Fam. Cynipidae 'Gallwespen' - Gallbildung

[ Intro , Merkmale , Biologie , Wirtspflanzen , Bedeutung , Systematik , Beispiele , Literatur ]


Die chemischen Prozesse, die bei der Entstehung einer Cynipiden-Galle ablaufen, sind noch weitgehend unbekannt. Die Gallentwicklung kann in 3 Phasen eingeteilt werden: Induktion, Entwicklung, Alterung.


Induktion

Die Induktion beginnt mit der Eiablage des Weibchens. Das Weibchen entscheidet über Wirtspflanzenart, Ort und Anzahl der Larven, die sich in einer Galle entwickeln werden. Um das abgelegt Ei lösen sich Pflanzenzellen auf und bilden so einen kleinen Hohlraum. Die schlüpfende Larve wandert in diesen Hohlraum ein. Unabhängig von der Anzahl der Eier, die an einer Stelle abgelegt werden, entwickelt sich jede Larve in einer eigenen Kammer der Galle. Gallen sind, wenn sie nur eine Larve besitzen uniokular, bei mehreren Larven multiokular. Die Gallinduktion erfolgt, soweit bekannt, durch chemische Substanzen, abgesondert von Eiern oder Larven und nicht vom eiablegenden Weibchen.

Entwicklung

Während der Phase des Gallwachstums bleibt die Larve zunächst noch klein, Die Larvenkammer vergrößert sich, um die Kammer herum bilden sich Schichten unterschiedlicher Pflanzenzelltypen aus. Charakteristisch für Cynipidengallen ist die Ausbildung eines Nährgewebes um die Larvenkammer herum. Solche Nährzellen konnten bisher nur bei einer gallbildenden Chloropidae (Lipara lucens) nachgewiesen werden. Die Nährzellen sind meist groß und dünnwandig, sie gleichen in ihren Chromosomensätzen, dem Proteingehalt und der Psysiologie Gewebe der Pflanzensamen. Die Cynipidenlarve ernährt sich während ihrer gesamten Entwicklung ausschließlich von diesem Nährgewebe.

Alterung

In dieser Phase nimmt die Zahl der Zellteilungen ab, es werden zunehmen weniger Nährstoffe in die Galle geleitet. Die Larve grast nun die Nährzellen ab, umgebende Parenchymzellen wandelen sich in Nährzellen um. Dieser Prozeß setzt sich fort, bis die Sklerenchymschicht der Larvenkammer erreicht ist. Während der Larvalentwicklung werden die Exkrete zwischen Mittel- und Enddarm gespeichert und erst kurz vor der Verpuppung ausgeschieden. Auf diese Weise wird Pilzbildung in der Galle vermieden.

Oft wird in das die Larvenkammer umgebende Gewebe Lignin eingelagert. Auf diese Weise wird die Galle für andere Herbivoren 'unattraktiv' gemacht. Zumindest in einigen Fällen besteht zwischen Ligninbildung und Abwurf der Galle eine Beziehung. Die Ligninbildung wird durch die Cynipidenlarve gesteuert. Viele Gallen fallen kurz vor dem Blattwurf ab, sie werden so durch eine Laubschicht bedeckt. Diese sorgt für günstige Mikroklimabedingungen. Die Larve verpuppt sich nun oder begiebt sich in Diapause.


(nach Stone et al 2002)


Literatur: Stone et. al 2002


Bestimmungsübungen an Insekten

Last modified: 10.03.02