Fam. Tachinidae

Raupenfliegen

[ Diptera , Brachycera , Cyclorrhapha , Schizophora , Acalyptratae ]

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Verbreitung

Weltweit 8000 Arten, mehr als 1550 Arten in 400 Gattungen in der paläarktischen Region, 950 in Europa, etwa 290 auf den Britischen Inseln.


Merkmale

Imagines

Die Imagines können leicht mit Musciden oder Calliphoriden (Schmeißfliegen) verwechselt werden. Ein Unterscheidungsmerkmal ist das Subscutellum. Die Weibchen haben keinen Legestachel.

Eier

Nonnen-Larve, die mit Tachiniden-Eier belegt wurde.


Larven

Larve von Drino gilva, die in einer Larve Diprion pini frisst

Altlarve einer Tachine, die sich zur Tönnchenbildung aus ihrem Wirt ausgebohrt hat.

Madenförmig

Puppen

Tachinen-Tönnchen

Tönnchen, aus der bereits die Fliege ausgeschlüpft ist.

Die Verpuppung erfolgt in einem Tönnchen (Puparium). Dieses ist zuerst hellbraun, dunkelt dann aber im Laufe der Zeit nach, so daß es tiefbraun oder schwarz ist.


Biologie

Lebensweise

  • Ausnahmslos primäre, solitäre, nicht selten auch gregäre Endoparasiten vor allem der Larven, aber auch der Puppen oder Imagines anderer Insekten. Nur wenige Arten greifen Chilopoden oder orthognathe Spinnen und angeblich Skorpione an.

  • Bevorzugt werden Raupen von Schmetterlingen und Blattwespen angegriffen. Viele Arten schmarotzen jedoch auch in Käfern und Ohrwürmern.

  • Überwiegend sind die Tachinidae oligophage Parasiten, es gibt aber auch zahlreiche monophage Arten und extrem polyphage Arten.

  • Es sind keine Hyperparasiten bekannt.

Entwicklung

Die Weibchen der Tachinen besitzen keinen Legestachel wie z.B. parasitische Hymenopteren. Von einigen Ausnahmen einmal abgesehen, können sie ihre Eier nur auf der Oberfläche des Wirtes ablegen. Es besteht also die Gefahr, daß die Eier vom Wirt wieder abgestreift werden (z.B. bei Häutungen). In Anpassung an dieses 'Handikap' schlüpfen die Larven jedoch sehr schnell und bohren sich dann in den Wirt ein. Einige Arten sind sogar lebendgebärend (hier werden Eier abgelegt, aus denen sofort Larven schlüpfen).

Der Wirt stirbt erst, nachdem die Parasitenlarve ihre Entwicklung abgeschlossen hat.

Tachinidae, die aus einer ausgefressenen Pamphiliden-Larve schlüpft

Imago, die gerade aus einer, inzwischen abgestorbenen, Pamphiliiden-Larve schlüpft.

Von Tachiniden-Larve verlassener Diprioniden-Kokon

Larven von Arten, die Buschhornblattwespen (Diprionidae) befallen, verlassen oft den Wirtskokon vor der Tönnchenbildung. Dazu beißen sie sich mit den Mundhaken an der Spitze des Kokons eine runde Öffnung. So kann man auch bei leeren Blattwespenkokons feststellen,ob das Individuum durch Tachinen befallen war, oder nicht.


Bestimmung

Tachiniden sind schwer zu bestimmen. Wichtige Bestimmungsmerkmale sind:

die Chaetotaxie (Beborstung)

Flügeladerung

Genitalmerkmale


Biologie

Die Systematik ist noch voll im Fluß. Gegenwärtig unterscheidet man 4 Unterfamilien mit mehr als 30 Trieben:

Phasiinae

Hemiptera, Heteroptera, gelegentlich Käferlarven.

Dexinae

Käferlarven, gelegentlich auch deren Puppen, teilweise Schmetterlingslarven.

Tachininae

Schmetterlingslarven, gelegentlich Hymenopterenlarven, Käferlarven und Käfer-Imagines, Dipterenlarven, Ohrwürmer und Orthoptera.

Exoristinae (Goniinae)

Schmetterlingslarven, gelegentlich Hymenopterenlarven, Käferlarven und Ohrwürmer.


Bedeutung

+ Die Tachiniden stellen die wichtigste Parasitoidengruppe innerhalb der Dipteren dar. Viele Arten wurden im Rahmen der Biocontrol verschleppten Schädlingen nachgeführt, z.B.:
  • Lydella thompsoni nach USA gegen den Europäischen Kornbohrer Ostrinia nubilalis,

  • Cyzenis albicans nach Kanada gegen den Kleinen Fostspanner (Operophtera brumata).

  • Die ersten Freilassungen von Tachiniden erfolgten zwischen 1905 und 1911 in den USA gegen den 1869 eingeschleppten Schädling Lymantria dispar.

  • Der Zuckerrohrbohrer Rhabdoscelus obscurus (Curculionidae) verursachte bis 1910 auf Hawaii einen Schaden von 750.000 - 1.000.000 Dollar pro Jahr. Nach Einführung von Tachiniden (Lixophaga sphenophori) und einer weniger anfälligen Zuckerrohrsorte war der durch diesen Schädling verursachte Schaden zu vernachlässigen.


Links & Literatur

Grenier, S. (1988): Applied biological control with tachinid flies (Diptera, Tachinidae): A review. Anzeiger für Schädlingskunde, Pflanzenschutz, Umweltschutz, 61: 49-56.

Mehr zu Tachiniden findet man unter Tachinidae in P-Online.


Bestimmungsübungen an Insekten

Last modified: 06.03.02