Fam. Tabanidae

Bremsen

[ Diptera , Brachycera , Orthorrhapha ]


Fast jeder hat schon einmal Bekanntschaft mit Tabaniden gemacht. Diese artenreiche Gruppe orthorrhapher Dipteren sind durch ihre blutsaugenden Weibchen charakterisiert. Allerdings gibt es auch viele Arten, bei den die Weibchen andere Ernährungsarten aufweisen (welche die ursprünglichere ist, bleibt umstritten).


Verbreitung

Weltweit ca. 4000 Arten.


Merkmale

Imagines

Mittelgroße bis große Fliegen, die durch ihre bunt schillernden Augen auffallen. Der Kopf ist hinten gerade abgestutzt und überragt den Thorax seitlich. Der Endabschnitt der 3-gliedrigen Fühler ist oft geringelt. Die Mundwerkzeuge sind zu einem kräftigen, stiletartigen Stechrüssel umgebildet. bestehend aus Labrum, Hypopharynx, paarigen Mandiblen und Maxillen. Von hinten werden die Stechborsten vom Labium umschlossen. Die relativ dicken Stechborsten machen den Stich so schmerzhaft.

Larven

Larven walzenförmig, vorn und hinten zugespitzt, mit Kriechwülsten an den Segmentgrenzen.


Biologie

Mit wenigen Ausnahmen (Vertreter der Pangoniinae) sind die Weibchen der Tabaniden Blutsauger bei Mensch, Wild und Vieh, die Männchen sind Blütenbesucher. Die Weibchen der Pangoniinae sind Blütenbesucher. Einige blütenbesuchenden Arten haben ihre Mundwerkzeuge so weit verlängert, daß sie auch an Nektar aus tieferen Röhrenblüten gelangen können. In den Tropen gibt es Arten, die auf angeschwemmten Tierleichen sitzen und sich von dem zersetzenden Tiergewebe ernähren.

Bremse bei der Nahrungsaufnahme

Die Hauptflugzeit der blutsaugenden Weibchen sind warme und schwüle Tage. Viele Arten können ihren Wirt fast geräuschlos anfliegen. Beim Anstich wird ein gerinnungshemmendes Sekret injiziert, welches für das Nachbluten verantwortlich ist. Die Einstichwunden sind relativ groß.

Der Schmerz beim Einstich wird dadurch verursacht, daß durch die relativ großen Mundwerkzeuge auch Nerven verletzt werden. Bei einem Anstich können 0.2 cm3 Blut aufgenommen werden.

Die einzelnen Arten bevorzugen unterschiedliche Körperteile:

Chrysops-Arten: Hals- und Kopfregionen

Tabanus-Arten: Arme, Hände und Oberschenkel.

Die Eier werden oft in großen Gruppen, bevorzugt in feuchten Biotopen, an Pflanzen oder auf dem Boden abgelegt.

Die Larven der Tabaniden leben überwiegend terrestrisch. Verschiedene Arten entwickeln sich jedoch auch aquatisch, bevorzugt am Grunde von seichten Gewässern, andere sind sogar, durch Ausbildung von langen Fortsätzen, zum Schwimmen befähigt. Insgesamt ist jedoch die Lebensweise der Larven relativ wenig bekannt,viele dürften sich von Detritus oder räuberisch ernähren.


Bedeutung

Bremsen verursachen, besonders in Afrika, Schäden in der Viehwirtschaft. Bei starkem Auftreten können Rinder u.U. bis zu 100 cm3 Blut je Tag verlieren, die ständige Beunruhigung der Tiere führt zur Abmagerung und zu einem Rückgang der Milchproduktion. In Afrika können einige Arten Krankheiten auch auf den Menschen übertragen werden:

  • Filarienkrankheit (Nematoden).

  • Tularämie auf Nager und teilweise auch auf Menschen.

  • Eine Übertragung von Trypanosomen ist dann möglich, wenn der Saugakt nur kurz ist und oft ein Wirtswechsel vollzogen wird.


Bestimmungsübungen an Insekten

Last modified: 04.03.02