Imago einer Sciaridae (Bradysia paupera)

Fam. Sciaridae

Trauermücken

[ Diptera , Nematocera ]

© Stefan Kühne

Text: Dr. U. Schulz


Trauermücken (Sciaridae, früher Lycoriidae) gehören zu den häufigsten und gleichzeitig unbekanntesten Mücken in Deutschland. Sie sind selten größer als fünf Millimeter, dunkel gefärbt (daher auch der Name) und halten sich meist versteckt in Laub und Pflanzen auf. In Wäldern sind ihre saprophagen Larven oft wichtige Laubzersetzer. Sie können Dominanzwerte bis 70 % aller Dipteren in feucht-schattigen Lebensräumen erreichen.

In älteren Entomologie-Büchern findet man die Sciariden noch bei den Pilzmücken (Mycethophilidae) eingereiht, inzwischen werden sie jedoch als eigenständige Dipteren-Familie behandelt. Ihre dunkle Körperfärbung und die schwärzlich getrübten Flügel haben ihnen ihren deutschen Namen »Trauermücken« einbracht.


Verbreitung

Weltweit über 1800 Arten, in Deutschland nach dem derzeitigen Kenntnisstand 343 Arten. Es werden aber fortlaufend neue Arten entdeckt und beschrieben (so waren z.B. 1990 für Deutschland erst ca. 260 Arten bekannt).


Merkmale

Imagines

Die (nicht stechenden) Imagines sind meist dunkel gefärbt und ca. 1 bis 7mm groß. Ein charakteristisches Kennzeichen ist die Flügeladerung mit einer Mittelader (Media), die sich glockenförmig aufspaltet. Die Weibchen mancher Arten (z.B. Epidapus) sind flügellos.

Larven

Schlanke, weiß-graue, eucephale Larven mit sehr kleinen Stigmenöffnungen.

Puppen

Freie Mumienpuppe.


Biologie

Imagines

Die geschlüpften Trauermücken sind nur wenige Tage lebensfähig und nehmen ausschließlich Flüssigkeiten auf. Nach der Kopulation werden bis zu 200 Eier an organisches Substrat abgelegt.

Larven

Die Larven leben von organischen Faulstoffen (Laub, Rinden, Totholz etc.); manche minieren in Pflanzenstengeln, einige Arten entwickeln sich in Pilzen, ähnlich den Pilzmücken (Mycethophilidae). Mit ihren z.T. sehr hohen Individuendichten (bis zu 2500 pro qm!) sind sie ein wichtiges Glied in der Nahrungskette. Die Larvenexkremente werden von Folgezersetzern genutzt, sie selber stellen Beute für räuberische Gliederfüßer, Fadenwürmer und Wirbeltiere dar.

Einige Trauermückenarten treten in Gewächshäusern als Schädlinge an verschiedenen Gemüsesorten, an Zierpflanzen und Champignonkulturen auf.


Sonstiges

In früheren Zeiten hat der »Heerwurm« (Sciara militaris) für Aufregung gesorgt. V.a. aus deutschen Mittelgebirgen wurde von bis zu 12 m langen und bis zu 15 cm breiten Larvenzügen berichtet, die sich über den Waldboden bewegten. Zu diesem ungewöhnlichen Phänomen, das früher als Anzeichen für einen bevorstehenden Krieg oder für Notzeiten galt, gibt es verschiedene Erklärungen: Durch die zu starke Massenansammlung der Tiere würde eine "lemminghafte Streßreaktion" ausgelöst, die zu dem gerichteten Wanderverhalten führt. Bzw. es handelte sich um Altlarven, die auf der Suche nach einem geeigneten Verpuppungsort sind.


Beispiele

Bradysia paupera


Literatur

Menzel, F. (2000): Die Trauermücken-Fauna der Bundesrepublik Deutschland (Diptera: Sciaridae). Beitr.Ent. 50 (2000) 2 [im Druck].

Menzel, F. & Mohrig, W. (2000): Revision der paläarktischen Trauermücken (Diptera, Sciaridae).- Studia dipterologica Supplement, Halle/Saale 6 (1999): ca. 700 S. [im Druck].

Zimmermann, W. (1986): Heerwurm - Beobachtungen in Thüringen. Abh. Ber. Mus. Nat. Gotha, 13, S.42-44.


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Bestimmungsübungen an Insekten

Last modified: 03.03.02