Europäischer Ohrwurm

Ord. Dermaptera

Ohrwürmer, Earwigs

© Entomol. Dept. at the Univ. of Nebraska-Lincoln


Der Name 'Ohrwurm' beruht wohl auf der Legende, daß diese Tiere angeblich Nachts in menschliche Ohren krabbeln und das Trommelfell durchbeißen sollen. Sie waren so von vielen Menschen gefürchtet. Wahr ist, daß sie sich wohl gelegentlich in einem Ohr eines schlafenden Menschen verirren können. Falsch ist, daß sie das Ohr verletzten.

Die Dermapteren sind eine hemimetabole Gruppe und nahe verwandt mit den Notoptera (Grillenschaben) und den Blattopteroidea (Mantodea und Blattodea). Sie werden deshalb mit diesen zu den Blattopteriformia zusammengefaßt.


Verbreitung

Weltweit wurden ca. 1300 Arten beschrieben, die bevorzugt in den warmen Regionen der Erde vorkommen. In Mitteleuropa finden sich nur 7 Arten.


Merkmale

  • Der breite Kopf besitzt beißend-kauend Mundwerkzeuge, Antennen mit bis zu 50 Gliedern, Ocellen fehlen.

  • Das auffälligste Merkmal sind die Zangen am Hinterleib (Cerci), diese sind bei den Männchen stark, bei den Weibchen schwach gekrümmt.

  • Flügel sind meist vorhanden (bei manchen Arten können sie reduziert sein):

    • Ein charakteristisches Merkmal sind die stark verkürzten Vorderflügel (Elytren). Sie bedecken meist nur den Brustbereich.

    • Unter ihnen liegen fächerartig zusammengefaltet die häutigen Hinterflügel (u.U. in bis zu 40 Lagen übereinander).

    • Zum Fliegen können die Vorderflügel, zum Teil mit Hilfe der Zangen, entfaltet werden.

Staphylinidae (Kurzflügelkäfer)

Europäischer Ohrwurm

Durch die verkürzten Flügeldecken sehen sie den Kurzflügelkäfern (Staphylinidae) ähnlich, können aber von diesen durch die Cerci unterschieden werden.

Biologie

  • Die omniphagen (Allesfresser) Ohrwürmer sind dämmerungs- bzw. nachtaktiv. Tagsüber suchen sie geschützte, dunkle Höhlungen auf.

  • Entwicklung:

    • Die Eiablage erfolgt im Herbst oder Frühjahr in von Weibchen gebauten Erdröhren. Das Weibchen betreut das Gelege, entfernt verpilzte Eier und verteidigt es gegen Feinde (Brutfürsorge & Brutpflege).

    • Die Larven verlassen den Schlupfplatz erst im 2. Larvenstadium.

    • Sie werden u.U. auch noch im Freien vom Weibchen betreut, so daß man kurzzeitig Familienverbände antreffen kann.

    • Meist werden 4 Larvenstadien durchlaufen. Da sie hemimetabol sind, gleichen sie den Imagines und werden im Laufe ihrer Entwicklung diesen immer ähnlicher.

sonstiges

Einige Arten sind vivipar (z.B. Hemimerus, Arixenia).


Bedeutung

Im Grunde genommen sind die Ohrwürmer für den Menschen harmlos.

+

Als Omniphage fressen sie manches Schadinsekt.

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Europäische Ohrwürmer, die an einer Frucht fressen.

In Gärtnereien können sie u.U. durch Blatt- und Blütenfraß Schaden verursachen.


Beispiele

Heimische Arten

Anechura bipunctata (Fabricius)

Zweipunktohrwurm

Anisolabis annulipes (Lucas)

-

Apterygida media (Hagenbach)

Gebüschohrwurm

Chelidurella acanthopygia (Gene)

Waldohrwurm

Labia minor (L.)

Kleiner Ohrwurm

Forficula auricularia (L.)

Gemeiner Ohrwurm

Labidura riparia (Pallas)

Sandohrwurm


Bestimmungsübungen an Insekten

Last modified: 03.03.02