Stadien von H. dermestoides

Hylecoetus dermestoides (Linnaeus, 1761)

Sägehörniger Werftkäfer - Large timberworm

( Coleoptera , Lymexylonidae )

© Lehrstuhl f. Angew. Zoologie



H. dermestoides gilt als bedeutender Holzschädling. Die Larven sind Pilzzüchter.

Verbreitung

Über ganz Europa verbreitet, in Südeuropa eher seltener.


Wirtspflanzen

Praktisch alle Laub- und Nadelbaumarten. Buche, Eiche, Birke, Fichte und Tanne werden aber bevorzugt.


Merkmale

Imagines

Größe 6-18 mm; Weibchen einfarbig gelbbraun, Männchen in der Färbung variabel.

Larven

Schlank, weichhäutig, augenlos, weißlich; Länge 14-20 mm; Prothorax charakteristisch kapuzenartig vergrößert; letzte Hinterleibssegment zugespitzt (Unterschied zu Lymexylon navale); Mandibel löffelartig.


Biologie

H. dermestoides ist ein Pilzzüchter:

Die Pilze werden durch das eiablegende Weibchen auf das Holz übertragen. Sie können Pilzsporen in Taschen am Legeapparat speichern und beschmieren damit bei der Ablage die Eier. Frisch geschlüpfte Larven wälzen sich in dann noch in den leeren Eihüllen und reiben sich die Pilzsporen ein.
Gänge sind dunkel mit den Hyphen von Endomyces hylecoeti Ng. ausgekleidet, von denen sich die Larven ernähren.
Die Hyphen werden mit den löffelartigen Mandibeln abgeschabt.
Damit sich die Hyphen entwickeln können, wird das Bohrmehl, im Gegensatz zu Lymexylon navale, ausgeworfen.

Entwicklung

Generationen

Meist 2 bis3-jährig, unter besonders günstigen Bedingungen auch 1-jährig; Bionomieformel: 56 - 6, (A, A,) 4 / 4+5

Imagines

Flugzeit Anfang April bis Juni; die Imagines leben nur 2-4 Tage.

Eier

Die Eiablage erfolgt in Gruppen von 6-37 Stück in Rinden- und Holzrisse, an saftige, unzersetzte Stöcke, an gefällte, feuchte Stämme, besonders an den Schattenseiten. Insgesamt legt ein Weibchen ca. 100 Eier ab. Die Eizeit liegt bei 10-14 Tage.

Larven

Nach dem Schlüpfen bohren sich die Larven in die Rinde ein. Die Gänge sind zunächst haarfein, werden dann aber mit zunehmendem Alter der Larven breiter. Sie verlaufen im Holz meist radial (vereinzelt und zeitweise auch parallel zur Oberfläche) und erreichen eine Länge von bis zu 30 cm. Das Bohrmehl wird mit dem Hinterleibsfortsatz aus den Gängen durch das Einbohrloch herausgeschafft.

Die halberwachsene Larve verschließt im Herbst den Gang und überwintert.

Puppen

Die Verpuppung erfolgt im April des darauf folgenden Jahres in der Nähe der Eingangsöffnung unter einem dünnen Rindendeckel. Der Gang wird an dieser Stelle zu einer Art Puppenwiege erweitert und zum Inneren des Stammes mit Bohrmehl verschlossen. Puppenruhe ca. 7 Tage.


Forstliche Bedeutung

+

Im Grunde genommen kommt dem Sägehörnigen Werftkäfer eine bodenbiologische Bedeutung zu, da der Stubbenbefall zu dessen beschleunigter Zersetzung führt.

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Allerdings sorgt der Befall frisch gefällten Stammholzes in Wald und auf Holzlagerplätzen oft zu Problemen. In diesem Moment wird der Sägehörnige Werftkäfer zu einem technischen Schädling. Stark befallenes Holz kann nur noch als Industrieholz verwendet werden. Oft tritt der Werftkäfer zusammen mit holzbrütenden Borkenkäfern (z.B. Trypodendron lineatum) auf.
Der Sägehörnige Werftkäfer kann aber auch geschwächte stehende Bäume befallen und wird als Pilzzüchter so u.U. sogar zum physiologischen Schädling. Die Pilzinfektion bewirkt eine Verfärbung der Stämme. Sie werden weißfaul und besitzen so weniger Sturmfestigkeit.

Diagnose

  • Äußere Befallsmerkmale sind beim Abheben der Rinde runde Einbohrlöcher, die mit Bohrmehl (Bohrmehlhöfe) umgeben sind.

  • Stärker befallenes Holz sieht aus, als ob es mit Schrot verschiedenen Kalibers beschossen worden ist. Dabei handelt es sich bei den größeren Löchern um Ausbohrlöcher, bei den kleineren um Bohrmehlauswurflöcher der Larven.

  • Die Gänge sind durch den Pilz schwarz gefärbt.

Schutzmaßnahmen

  • Rechtzeitiger Abtransport gefällter Stämme aus dem Wald, besonders zur Zeit des Hauptfluges der Käfer (April bis Juni). Bei längerer Lagerung im Wald empfehlen sich Behandlungsmaßnahmen ähnlich denen gegen holzbrütende Borkenkäfer.

  • Trockene und luftige Lagerung auf Holzplätzen.

  • Eine Bekämpfung bereits befallenen Holzes ist schwierig. Larvengänge in bereits trockenem Holz sind weniger problematisch, da dieses Holz nicht erneut befallen wird.


Bestimmungsübungen an Insekten

Last modified: 25.04.02