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Lokalfaunistische Arbeiten |
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Im Zusammenhang mit den Umweltproblemen kommt der faunistischen Forschung eine besondere Bedeutung zu. Wie sah die Fauna vor 100, 200 oder 500 Jahren aus? Welche Veränderungen sind eingetreten? Wodurch wurden diese Veränderungen verursacht? Einen merklichen Aufschwung erhielt die faunistische Forschung erst ab dem 18. Jahrhundert. Die erste faunistische Übersicht über Säugetiere und Vögel in Bayern hat Franz von Paula Schrank verfaßt. Schrank war ein Zeitgenosse Goethes, ein universaler Biologe, Systematiker und Philosoph, der seit 1784 Professor für Landwirtschaft an der Universität Ingolstadt und Landshut und seit 1809 Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften war. Seine 'Fauna boica - Eine durchdachte Geschichte der in Bayern einheimischen und zahmen Tiere' gilt als Standardwerk und Fundament der faunistischen Forschung in Bayern. Auf Franz von Paula Schrank folgte Carl Ludwig Koch, der in den Jahren 1813-1826 zunächst in Burglengenfeld als Oberförster und später als Kreisforstrat in Regensburg tätig war. Er hat die faunistische Forschung fortgesetzt und in mehreren Bänden ein 'System der bayerischen Zoologie' herausgegeben. In diesem ebenfalls 'Fauna boica' genannten umfassenden Werk werden Säugetiere, Vögel, Insekten, Spinnentiere und Bodentiere bzw. Bodenmilben behandelt. Von den im 19. Jahrhundert bereits zahlreichen Faunisten in Bayern liefert vor allem Andreas Johannes Jäckel Hinweise auf das Vorkommen und die Häufigkeit von Wirbeltieren in Bayern. Jäckel wurde 1822 in Nürnberg geboren und studierte in Erlangen evangelische Theologie. Anschließend bereiste er als Pfarrvikar Oberbayern und lebte dann in Mittelfranken in Neustadt an der Aisch. Sechs Jahre nach seinem Tod 1885 erschien posthum seine systematische Übersicht der Vögel Bayerns mit zahlreichen Angaben über die Verbreitung und Häufigkeit verschiedener Tierarten in Bayern. Die zahlreichen faunistischen Arbeiten im 19. Jhdt. wurden durch folgende Faktoren gefördert: Mit den Arbeiten von Carl v. Linne waren die Voraussetzungen für eindeutige Artbestimmungen, also die Grundlagen der Taxonomie geschaffen. Erstmals war es möglich, verschiedene auch weniger bekannte Tierarten anhand zuverlässiger Bestimmungsmerkmale sicher Wiederzuerkennen. Hinzu kamen zeitspezifische geistige Strömungen. In der Zeit der Aufklärung wollte man entgültig aufräumen mit dem alten Aberglauben und den fabelhaften Berichten über Tiere. Außerdem wollte man wissenschaftliche Erkenntnisse allgemein zugänglich machen. In seinem Vorwort zur 'Fauna boica' schreibt z.B. von Schrank: 'Man verbindet in unseren Tagen einen sehr unrichtigen Begriff mit dem Worte Aufklärung. Man möchte gern jede Wissenschaft populär machen, damit sie der Handwerker und Bauer in seinen müßigen Stunden ebenso gut sich eigen machen könne, als der Gelehrte, der sie in schlaflosen Nächten und mit dem Verlust seiner Gesundheit erringt.' In der Spätromantik gewannen darüberhinaus auch die Begriffe Heimat und Vaterland immer mehr an Bedeutung. Dazu gehörten neben Aufzeichnungen über Land, Leute und Gebräuchen aber auch faunistische, insbesondere lokalfaunistische Untersuchungen. So schreibt Carl Ludwig Koch in der Einleitung zu seiner Fauna Boica aus dem Jahr 1816: 'Ich lege hiermit ein System der bayerischen Zoologie auf den vaterländischen Altar der Wissenschaften'. Die Arbeiten von Schrank, Koch und Jäckel dokumentieren die Ausrottung jagdbarer Tiere, wie z.B Geier, Biber, Bär, Luchs, Wolf, Fischotter und Wildkatze in Bayern. Ein Vergleich unserer heutigen Faunenlisten mit den Angaben aus dem 19. Jahrhundert lassen einen erheblichen Schwund und Veränderungen bei weniger bekannten Arten erkennen, wobei diese negative Entwicklung in neuerer Zeit vielfach kaum wahrgenommen wird. Obwohl noch im 19. Jahrhundert der Fang von Singvögeln auch in Bayern in einem heute kaum vorstellbaren Ausmaß ausgeübt wurde, war trotzdem war eine große Artenfülle und ein bemerkenswerter Individuenreichtum vorhanden. Jäckel, der selbst viele Stunden am Vogelherd verbrachte, berichtet z.B. bei der Beschreibung der Tannenmeise: 'Sie ist noch immer so zahlreich, daß ein Vogelfänger bei Nürnberg im Herbst 1858 an einem Vormittag 118 Stück Tonmeisle auf Leimruten im Laurenzer Walde fing, die sämtlich getötet und unter der Hand für die Küche verkauft wurden. Vor Zeiten wurde namentlich die Tannenmeise auf dem Nürnberger Reichswalde und auch bei Regensburg massenhaft gefangen. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts wurden auf mancher Meisenhütte in drei bis fünf Tagen 1000 bis 1600 Meisen gefangen. Die Meisenhütten waren in leidenschaftlichem Betriebe von Bartholomäi bis Ende September. Nach dem Übergang Nürnbergs an Bayern wurde am 4. August 1809, dem Jahr der Organisation der beiden Forstämter Laurenzi und Sebaldi zu Nürnberg, aller Vogelfang auf dem Reichswalde untersagt und mußten alle Meisenhütten und zahlreiche Waldhäuschen der Vogelherdbesitzer abgebrochen werden.' Trotzdem wurde der Vogelfang für die Küche und für die Haltung in Käfigen noch bis Ende des 19. Jahrhunderts eifrig an anderen Orten in Bayern und anderen Bundesländern betrieben. Vogelmärkte gab es noch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts in Nürnberg, Regensburg, München und vielen anderen Städten. Der Vogelfang war damals eine Art Forstnebennutzung. Nicht weniger zurückhaltend als die armen Leute waren viele Standesherren bezüglich der Jagd. Der letzte Markgraf von Ansbach, einer der größten Falkner, die je gelebt haben, hielt sich für die Beizjagd im Jahr 1757 folgendes Personal: 1 Oberstfalkenmeister, 1 Falkenjunker, 1 Falkenpage, 1 Falkensekretär, 1 Falkenkanzlist, 1 Reihermeister, 1 Krähenmeister, 2 Milanenmeister, 3 Meisterknechte, 12 Falkenknechte, 2 Reiheranwärter und 16 Falkenjungen. Trotz des erheblichen Drucks auf freilebende Säugetiere und Vögel in der damaligen Zeit ist eine erhebliche, umweltbedingte Reduktion und Veränderung der Fauna erst im letzten Jahrhundert eingetreten, deren Ursache sehr viel schwieriger aufzudecken und zu beheben ist. |
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