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Die Aufklärung - Das natürliche System der Tiere |
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In der Zeit der Aufklärung und des Rationalismus wurde die Natur geordnet und alle Naturerscheinungen systematisch erforscht. Eine wesentliche Leistung dieser Zeit bestand in der Schaffung eines natürlichen Systems Carl von Linné 1707 Rashult - 1778 Uppsala Eine ziemlich weit verzweigte Familie schwedischer Bauern hatte bereits im siebzehnten Jahrhundert mehrere Söhne in den Gelehrtenstand eintreten lassen. Dabei nahmen diese einen neuen Familiennamen an und wählten ihn nach einer bei Linnhult in ihrer Geburtsgegend stehenden Linde. Ein Zweig der Familie nannte sich z.B. Tiliander, der andere Lindelius. Ein Prediger aus dieser Familie in Smaland nannte seinen 1707 geborenen Sohn Carl Linnaeus, der im Jahr 1762 durch Reichstagsbeschluß als Carl von Linné in den Adelsstand erhoben wurde. Carl Linnaeus war von seinem Vater zum Studium der Theologie bestimmt und wurde deshalb auf das Gymnasium bei Wexiö geschickt. Bald gingen aber von seinen Lehrern so ungünstige Berichte über seine Leistungen ein, daß sein Vater ihn zur Sicherung seines Broterwerbs zu einem Schuster in die Lehre schicken wollte. Ein befreundeter Arzt der Familie erkannte das naturwissenschaftliche Interesse des jungen Linnaeus und verhalf ihm zum erfolgreichen Abschluß seiner Gymnasialzeit und einem anschließenden Medizinstudium in Lund. Nach Abschluß seiner Studien ging der fast mittellose Linné im Herbst 1728 nach Upsala und hielt dort wegen seiner hervorragenden botanische Kenntnisse bald Vorlesungen in Vertretung seines Lehrers Olaf Rudbeck. Linné lernte in Upsala den damals führenden Ichthyologen Peter Artedi kennen, der aufgrund der fortgeschrittenen anatomischen Studien die gesamte Systematik der Fische neu reformieren wollte. Linné faßte einen ähnlichen Plan bezüglich der Pflanzen. Nachdem er 1728 die Schriften von Vaillant über den Bau der Blüten gelesen hatte, wollte er die Botanik von Grund auf neu bearbeiten. Dieser sehr frühe Entschluß konnte zunächst nicht ausgeführt werden. Die naturwissenschaftliche Gesellschaft in Upsala beschloß nämlich eine Expedition nach Lappland auszurüsten, um die dortigen Naturmerkwürdigkeiten eingehend zu untersuchen. Linnaeus wurde als Expeditionsleiter bestimmt, worum er sehr beneidet wurde. Seine Lehrstelle in Upsala wurde anderweitig besetzt und nach seiner Rückkehr ging er mit einem kleinen Stipendium versehen in die Bergwerkstadt nach Falun, um dort für geringes Entgeld Mineralogie und Petrographie zu lehren. Nachdem er sich mit der Tochter des dortigen Arztes Moraeus verlobt hatte, war er wirtschaftlich besser gestellt und konnte, wie in Schweden damals für Medizinstudenten üblich, nach Holland reisen, um dort an einer Universität über intermittierende Fieber promovieren. Anschließend gab er auf zehn Folioseiten sein neues Systema naturae heraus, in dem er eine neue Terminologie und Nomenklatur, sowie neue Grundsätze zur Bestimmung, Beschreibung und Einordnung des Pflanzen- und Tierreichs vorschlug. Dieses neue Fundament der Biologie wurde sofort weitgehend anerkannt, obwohl es auch einige Gegenstimmen gab. Es folgten die 'fundamenta botanica' und nach dem tragischen Tod von Peter Artedi, der auf dem abendlichen Weg vom Museum nachhause in eine Gracht gefallen und ertrunken war, gab er dessen Vermächtnis über ein neues System der Fische heraus. In Paris lernte Linné den bekannten Naturforscher Reaumur kennen, wurde dort zum Korrespondenten der Akademie der Wissenschaften aufgenommen und kehrte dann nach Stockholm zurück. Er wurde dort zunächst mit Zurückhaltung aufgenommen und eröffnete eine ärztliche Praxis. Schließlich wurde er zum Professor der Medizin ernannt und vertauschte diese Stelle bald mit einer Professur für Botanik und Naturwissenschaften. Nun war Linné endlich an dem ihm gebührenden Platz gelangt. Er reformierte die botanischen Gärten im ganzen Land nach seinem neuen System und errichtete ein naturhistorisches Museum. Die allgemein für Naturbeschreibung wichtigen Grundsätze wandte er später auf die ganze Natur an und gab noch selbst ähnliche methodologische Fundamente über Entomologie und Ornithologie heraus. Sein System der Natur wurde in 13 Auflagen und nahezu in allen Sprachen der Welt gedruckt. Bisher war die Naturgeschichte nur als Anhang zur Heilmittellehre oder wie zum Ausgang des Mittelalters als die Lehre von den 'einfachen Mitteln' behandelt und in einer mehr literaturhistorischen Weise vorgetragen worden. Mit Linné wurden Botanik und Zoologie erstmals eigenständige Wissensgebiete. Sie waren nicht mehr länger nur Hilfswissenschaften der Medizin oder der Kameralistik. In vielen Ländern wurden damals eigene Lehrstühle für Botanik oder Zoologie, bzw. biologische Fakultäten eingerichtet. Die Arbeiten Linné's entsprachen dem allgemeinen Bestreben in der Zeit der Aufklärung, mehr über das Wesen und die Organisation des Lebendigen zu erfahren.
Vor Linné war niemand imstande, mit Sicherheit anzugeben, ob zwei oder mehr verschiedene Beschreibungen ein und dasselbe Tier beträfen, davon ausgenommen einige seit alters her allgemein bekannten Tiere. Er hat erstmals termini technici, wie Art (species), Gattung (genus), Familie, Ordnung, Klasse und Stamm, aber auch bestimmte Körperteile der Tiere definiert und festgelegt, die eine knappe und präzise Beschreibung ermöglichten. Somit waren die Voraussetzungen gegeben, Beobachtungen zu überprüfen, zu wiederholen und zu vergleichen. Er hat somit eine eigenständige biologische Kunstsprache, beispielsweise die binäre Nomenklatur mit feststehenden Begriffen geschaffen, die ein weiteres induktives Vorgehen bei der Aufklärung des Lebendigen ermöglichte. Er war bestrebt, ein möglichst natürliches System aufgrund der Ähnlichkeiten im äußeren und inneren Bau der verschiedenen Organismen zu schaffen und er schreibt dazu: 'Die Natur macht keinen Sprung. Alle Pflanzen und Tiere bieten nach allen Seiten hin Affinitäten dar, wie ein Territorium auf der Landkarte'. Er vergleicht sein System mit dem Faden der Ariadne, der durch das unübersichtlich erscheinende Chaos sicher hindurchführt, es ordnet und transparent macht, indem er feste Regeln schuf, die zusammengehöriges verbinden und unterschiedliches trennen. Allerdings war er zumindest anfänglich noch von der Konstanz der Arten, dem Fundament seines Systems, überzeugt: In der Einleitung seiner ersten Ausgabe des Natursystems schreibt er z.B.: 'Es gibt soviele Species, als ursprünglich erschaffen worden sind.' In späteren Ausgaben hat er diesen Satz dann gestrichen, ohne über die Herkunft der Arten nähere Angaben zu machen, obwohl einige Naturforscher vor ihm bereits eine evolutionsgeschichtliche Weiterentwicklung der Arten ahnten. Erste Kritik am Dogma der Unveränderlichkeit der Arten übte bereits lange vor Linné der britische Admiral, Entdeckungsreisende und Bezwinger der spanischen Armada Sir Walter Raleigh. Er wurde von 1603 bis 1616 im berüchtigten Londoner Tower gefangengehalten und schrieb in dieser Zeit eine fünfbändige Weltgeschichte. Als Gründer des Staates Virginia räumte er darin der Beschreibung Amerikas einen besonders breiten Raum ein; und weil er ein vortrefflicher Naturbeobachter war, kommt die Tierwelt dabei nicht zu kurz. In diesem Zusammenhang bezweifelt Sir Raleigh, daß die vielen neuentdeckten Tiere Amerikas neben den altweltlichen Arten Europas in der 'Arche Noah' Platz gefunden haben könnten. Nach seiner Meinung wanderten altweltliche Tierarten nach der Sintflut nach Amerika aus und bildeten dort unter dem Einfluß anderer Umweltbedingungen neue Arten aus. Raleigh glaubte also bereits an eine Veränderung der Arten. Aber es dauerte noch über einhundert Jahre bis George Cuvier und vor allem Lamarck diese Vermutung durch eingehende Untersuchungen untermauerten. Die Arbeiten Linnés wurden wesentlich gefördert durch den Geist der Aufklärung. Man war bestrebt, alle Naturerscheinungen rational zu erklären. In diese Zeit fällt auch der Beginn der tierphysiologischen Forschung, wobei nicht mehr allein die Interpretation der antiken Schriften, der Glaubenslehren und logische bzw. naturphilosophische Überlegungen, sondern das Experiment und die Erfahrung als wesentliche Quellen der Erkenntnis dienten. Stellvertretend seien hier die Arbeiten von Galvani genannt, die aufs engste mit der Entdeckung der Elektrizität verknüpft sind. Galvani war Tieranatom in Padua und eng befreundet mit dem Physiker Volta. Bei seinen Studien an Fröschen beobachtete Galvani in seinem Labor, daß die zur Sektion vorbereiteten Frösche bzw. Froschschenkel zuckten, vor allem beim Herannahen eines Gewitters. Er ging diesem Phänomen mit zahlreichen Experimenten auf den Grund. Nach seinen Befunden war die Erregung der Froschschenkel bei Gewittern besonders stark, wenn er sie an Kupferdrähten zwischen den Metallstäben seines Gartenzaunes ausspannte. Viele Jahrzehnte war der zuckende Froschschenkel das einzige Galvanometer, mit dem man Elektrizität nachweisen und messen konnte. Galvani publizierte seine Ergebnisse und übersandte sie seinem Freund und Kollegen Volta, dar dies alles als Unsinn abtat. Volta war der Ansicht, daß die Elektrizität nicht von Tieren, sondern allein von Metallen hergestellt werden kann. Er baute aus verschiedenen Metallen und Säuren die erste Batterie und versuchte damit seine Ansicht zu beweisen und Galvani zu widerlegen. Damit zerbrach die langjährige Freundschaft der beiden Gelehrten. Aus heutiger Sicht hatten beide Gelehrte im Grunde recht. Galvani wurde der Begründer der Elektrophysiologie bzw. Sinnesphysiologie. Er hatte die elektrische Reizleitung im Nervensystem entdeckt. Volta konnte nachweisen, daß elektrische Energie auch auf anderem Wege erzeugt werden konnte. Beide ahnten wohl nicht die Reichweite ihrer Entdeckungen. George Cuvier (1769-1832) Im Zuge der Aufklärung wurden weitere Erkenntnisse auch auf dem Gebiet der Tiersystematik gewonnen. Cuvier wurde in Mömpelgardt in Württemberg geboren. Seine Vorfahren waren als Hugenotten aus Frankreich geflohen. Ähnlich wie Linné sollte er zunächst Priester werden, erhielt dann aber eine Stelle als Lehrer an der Carlsschule in Stuttgart. Als Georg Küfer wirkte er mit an den ersten Aufführungen von Schiller's Räuber. Aus Geldmangel nahm er dann 1788 eine Hauslehrerstelle beim Grafen d'Héricy bei Caen an der bretonischen Küste an. Dort befaßte er sich erstmals eingehender mit Fossilien und den im Litoral lebenden Meerestieren. Mit seinen Studien begründete er eine Schule der vergleichenden Anatomie, wobei ihm die fortentwickelten und leistungsfähigen Mikroskope damals sehr zustatten kamen. Er publizierte z.B. über die Anatomie der Napfschnecken (1792), Anatomie und Verwandschaftsverhältnisse der Würmer (1795), Abstammung der Mollusken (1796), Anatomie der Insekten (1798), Über den Kehlkopf der Vögel (1795), Gehörorgan und Nase der Waltiere (1796), Gehirn der Wirbeltiere (1799) und in zahlreichen detaillierten Untersuchungen werden Muskeln, Knochen, Nervensysteme und Sinnesorgane dargestellt. 1812 erschien seine umfassende Arbeit über fossile Knochen. Cuvier erkannte, daß die fossilen Überreste von Tieren mit der rezenten Fauna in Verbindung standen. Damit war die alte 'Keimchentheorie' und die Lehre von den 'Naturspielen' hinfällig. Er war außerdem der Meinung, daß mehrere aufeinanderfolgende Sintfluten bzw. Transgressionen der Meere die damals vorhandenen Lebewesen auschlöschten und anschließend eine neue Fauna geschaffen wurde (Katastrophentheorie). Schließlich waren die Arten nach seiner Auffassung bis zu einem gewissen Grade veränderlich oder im Zuge einer fernwirkenden Nachschöpfung abwandelbar. Cuvier arbeitete als Director am Jardin des Plantes in Paris, 1814 wurde er Staatsrat, 1919 Abteilungspräsident im Innenministerium für den naturwissenschaftlichen Unterricht an den französischen Schulen, 1824 Direktor der nichtkatholischen Kulte und 1831 zum Pair von Frankreich geadelt. |
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