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Zoologie der Antike |
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Auf der Suche nach dem Ursprung und dem Sinn des Lebens und der menschlichen Existenz haben sich Philosophen des Altertums bereits sehr frühzeitig mit zoologischen Fragen beschäftigt. Als Begründer der wissenschaftlichen Zoologie gilt Aristoteles. |
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Aristoteles: * 384 v. Chr., Stagira in Mazedonien + 322 v. Chr., Chalkis auf Euböa |
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In geschichtlicher Zeit wurden Tiere erstmals von Aristoteles naturwissenschaftlich untersucht. Er schuf neben Demokrit, Sokrates und Platon die Grundlagen der Philosophie und der Naturwissenschaften des Abendlandes. Aristoteles war Schüler Platons und dann 20 Jahre lang Lehrer an dessen Akademie. Später gründete er in Athen eine eigene Schule der Peripatetiker. Im Auftrag Philipps v. Mazedonien wurde er Erzieher von Alexander dem Großen. Möglicherweise erhielt er von seinem Schüler eine beträchtliche Summe, um Bücher anzukaufen, z.B. die Bibliothek des Demokrit. Dieser griechische Naturphilosoph hatte bereits Tiersektionen vorgenommen und seine Beobachtungen in einem umfassenden Werk (Zootomica) zusammengefaßt. |
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Aristoteles erhielt außerdem mündliche und schriftliche Mitteilungen von den Gelehrten am Hof und im Heer Alexander's des Großen. Möglicherweise hat er auch selbst an einigen Feldzügen teilgenommen. Später kühlte die Freundschaft von Aristoteles und Alexander ab. Nach dem Tode von Alexander mußte er Athen verlassen. Bei Aristoteles kommen vor allem teleologische Gesichtspunkte zur Geltung: Die Organisation der Tiere ist auf einen bestimmten Zweck hin (zweckmäßig) ausgerichtet. Der Bau und die Lage der Organe, aber auch das System selbst, das er aufzuspüren bestrebt war, spiegeln eine höhere Ordnung und Harmonie wieder. Er war bemüht, die Logik, die allem Lebendigem innewohnt, aufzuklären. Die Fülle der einzelnen Beobachtungen ist bei ihm nicht zusammenhangslos aneinander gereiht. Der Stagirit versucht vielmehr allgemeine Gesetzmäßigkeiten aus den Einzelbeobachtungen induktiv abzuleiten. Beispiele: Alle eierlegenden landbewohnenden Vierfüßer haben Schuppen. Alle lebendgebährenden Vierfüßer haben Haare. Tiere mit starken Hauzähnen haben kein Geweih und umgekehrt haben die Geweihträger nur gering ausgebildete oder gar keine Hauzähne bzw. Eckzähne. Er versucht, ähnlich wie erst 2000 Jahre später wieder Cuvier, Bildungspläne bzw. bestimmte Tiertypen (z.B. Hornträger, Geweihträger, Tiere mit Hauzähnen etc.) herauszuarbeiten. In seinen anatomischen Schriften konnte er z.B. nachweisen, daß die Nerven als empfindende Teile ihren Ursprung im Gehirn nehmen. |
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Das zoologische System des Aristoteles |
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Sein Verdienst besteht vor allem darin, daß er versucht hat, alle damals bekannten Tiere einschließlich des Menschen, unter Berücksichtigung der verwandtschaftlichen Beziehungen, erstmals in ein natürliches System zu bringen. Allerdings standen ihm noch keine adäquaten Hilfsmittel zur Bestimmung der verschiedenen Tierarten zur Verfügung. Er mußte entsprechende Ordnungskriterien und eine adäquate Terminologie erst finden. Dabei handelte er bereits nach heute noch allgemein gültigen Prinzipien der Wissenschaft, nämlich gleichartiges anhand übereinstimmender Merkmale zu vereinen und verschiedenartiges aufgrund der entdeckten Unterschiede zu trennen. |
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Bei der Beschreibung der Tiere legte er größten Wert auf den äußeren (Morphologie) und inneren Bau (Anatomie) der Tiere. Er unterschied z.B. streng zwischen den Fischen (Ichthyoi) und den im Wasser lebenden Tieren (Enhydra), wobei letztere die Delphine und Wale miteinschlossen. Von der Fledermaus sagt er, sie habe gewisse Merkmale gemeinsam mit anderen Flugtieren, aber nicht mit den Vögeln. In Konsequenz dieser Erkenntnisse wurden die Fledermäuse als eigene Gruppe ganz richtig in die Nähe der lebendgebärenden Vierfüßer (=Säugetiere) gestellt. Viele richtigen Erkenntnisse des Aristoteles gingen später wieder verloren. Bis zum Ende des Mittelalters wurden beispielsweise die Fledermäuse und Waltiere in Unkenntnis der tatsächlichen Zusammenhänge meist bei den nachtaktiven Vögeln bzw. bei den Fischen aufgeführt. Aristoteles definierte jedoch keine Arten im modernen Sinn. Die Bezeichnungen 'Genos' und 'eidos' bedeuteten bald eine übergeordnete bald eine untergeordnete Tiergruppe. Man kann diese Begriffe also nicht mit Gattung oder Art im heutigen Sinne übersetzen. Aristoteles erkannte zwar die Verwandschaftsbeziehungen bzw. Gemeinsamkeiten bestimmter Tiere. Der Gedanke an eine evolutive Entwicklung ist jedoch auch nicht andeutungsweise vorhanden. |
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Sein System ist in groben Zügen wie folgt gegliedert: |
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A. Blutlose Tiere (Insekten, Spinnentiere) B. Blutführende Tiere 1. Lebendgebährende Vierfüßer (= behaarte Tiere - Säugetiere) Robben und Fledermäuse bilden eigene Gruppen. 2. Vögel Greifvögel (Gampsonycha) Wasservögel (Steganopoda) Stelzvögel (Makroskela) Strauß (eigene Gruppe) 3. Eierlegende Vierfüßer (Pholidota) Reptilien einschl. der ausnahmsweise fußlosen Schlangen Amphibien einschl. der ausnahmsweise lebendgeb. Salamander Krokodile, Schildkröten, Echsen 4. Waltiere: (Lungenatmung, benötigen Luft, lebendgebärend, mit Milch u. Zitzen, fußlos). 5. Fische: (Eierlegend o. lebendgebährend, Kiemenatmung, fußlos, mit paarigen Flossen, homolog den paarigen Füßen). Knochenfische - Knorpelfische 6. Weichtiere (Cephalopoda): Füße am Kopf. Im Körper oder im Kopf eine harte Schale und ein Tintenbeutel. Sepien, Lolignen und Oktopoden. 7. Vielfüßige Weichschaltiere (Malakostraka = Höhere Crustaceen), Krabben, Krebstiere. |
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Die von ihm geschaffenen Bezeichnungen sind z.T. bis heute in Gebrauch. In sein System hat er über 500 Tiere eingeordnet. In den 'Eclogae anatomon', die z.T. verloren gingen, werden vorwiegend physiologische Fragen erörtert. Z.B. war das Zustandekommen des männlichen und weiblich Geschlechts damals noch rätselhaft. Nach der Meinung des Aristoteles entstanden männliche Wesen, wenn der Samen in einen warmen Uterus gelangte, weibliche dagegen in kalter Umgebung. |
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Die Atmung dient nach seiner Ansicht dazu, die vom Herz produzierte überschüssige Wärme abzukühlen. Die Bedeutung der Muskeln wurde noch nicht von ihm erkannt. Nach seiner Meinung wird der Körper durch Sehnen und Nerven bewegt. |
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Viele seiner Schriften und die seiner Schüler gerieten im Mittelalter bis weit in die Neuzeit wieder in Vergessenheit und wurden erst in der Zeit des Humanismus wieder neu entdeckt. Die überlieferte 'Historia animalium' des Aristoteles, die zu Beginn der Neuzeit gedruckt wurde, umfaßt 19 Bände. Übersetzungen seiner Werke ins Lateinische und Arabische wurden schon im 4. Jhdt. n. Chr. z.B. von Avicenna in Edessa (Kleinasien) und von Isidor von Sevilla in Spanien angefertigt. Auch Plinius d.Ä. hat einen großen Teil seiner Werke übernommen. Ein Teil seiner anderen Schriften ging jedoch verloren z.B. Zoica, Anatomae, und Eclogae anatomon. Diese Schriften waren z.T. mit Zeichnungen versehen. Auch die Schriften seiner wenigen Nachfolger sind nicht mehr vorhanden. Die Schriften des Aristoteles wurden in Alexandria aufbewahrt und im Reich der Ptolemäer verbreitet. Seine Studien wurden noch eine zeitlang weiter betrieben, z.B. von Herophilus und Erasistratos. Letzterer war ein Schüler und vielleicht sogar ein Enkel des Aristoteles Die Ptolemäer bzw. Diadochen wetteiferten ehrgeizig auf vielen Gebieten miteinander, nicht zuletzt war die wissenschaftliche Bibliothek zu Alexandria sehr berühmt und gefragt. Besonders in Bythynien, Edessa und Pergamon in Kleinasien wurden ähnliche Einrichtungen geschaffen und Abschriften der wichtigsten Werke des Altertums, so auch der Arbeiten des Aristoteles gesammelt. Das wissenschaftliche Interesse verlagerte sich allerdings zunehmend auf medizinische Gebiete. Nach dem Niedergang der Ptolemäerreiche gelangten die Bibliotheken und damit die Schriften des Aristoteles dann in die Hände der Araber. |
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In Pergamum wirkte z.B. Claudius Galenus (131-201 n.Chr.), der größte aber auch letzte Anatom des Altertums. Damit wurde die Wissenschaft insgesamt auf mehr praktische Zwecke und weniger auf eine theoretische Grundlagenforschung ausgerichtet. G. empfahl zwar anatomische Studien zu medizinischen Zwecken, und da die Sektion menschlicher Leichen damals noch nicht gestattet war, verwendete er größtenteils Tiere für seine Untersuchungen. Er riet zu entsprechenden Studien an Tieren für ein besseres Verständnis humanmedizinischer Probleme. Allerdings waren seine Erkenntnisse für die vergleichende Anatomie im Tierreich begrenzt, da er für seine Studien aus naheliegenden Gründen fast ausschließlich Affen verwendete und seine Studien ganz auf die Humanmedizin ausgerichtet waren. |
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Zoologie im römischen Reich |
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Galen war der letzte bedeutende griechische Naturwissenschaftler des Altertums. Aus der ganzen römischen Geschichte ist kein Name bekannt, der auch nur entfernt an die griechischen Philosophen und Naturwissenschaftler heranreicht. Nur unter den Enzyklopädisten der Kaiserzeit tritt ein Mann hervor, welcher die Arbeiten der griechischen Wissenschaftler genauer kannte und in ihrem Sinne eigene Untersuchungen durchführte, L. Appulejus von Madaura. Bezeichnenderweise wurde er der Magie angeklagt. Seine zur Verteidigung verfaßte Apologie enthält mehrere Angaben, welche auf eingehende Beschäftigung mit Tieren, insbesondere mit deren Anatomie hinweisen. Er war ein Anhänger Platos und schätzte aber auch ganz besonders die naturhistorischen Schriften des Aristoteles hoch ein. Seine eigenen wissenschaftlichen Arbeiten sind leider nicht erhalten. Demzufolge sind die Römer auch nicht mit einem einzigen Namen in der Literatur der wissenschaftlichen Zoologie vertreten. |
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Allerdings wurde im Alten Rom viel volkstümliches, fabelhaftes und erdichtetes vermengt mit den Überlieferungen von Aristoteles erzählt und verbreitet. Erwähnenswert sind z.B. die Schriften des Plutarch 'Über die Klugheit der Tiere' und 'Daß die Tiere Vernunft haben'. In beiden Büchern werden den Tieren psychische und geistige Fähigkeiten zugeschrieben, wie z.B. Mut, Überlegung und Einsicht, die an entsprechende menschliche Fähigkeiten heranreichen oder sie sogar übertreffen. Im Grunde genommen sind diese Schriften jedoch nur eine Sammlung von unterhaltsamen Anekdoten. |
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Last modified: Feb. 23, 2000 |