Die Frühzeit


Die Beziehungen des Menschen zu Tieren sind uralt. Sie waren umso enger, je weiter sie in die Frühgeschichte zurückreichen. Als Jäger und Sammler war der Mensch in besonderem Maße von den Tieren abhängig. Zahlreiche prähistorische Tierdarstellungen, Hinweise auf animistische Tierkulte, Totemtiere und Tierreligionen, die in trivialisierter Form mit ihren Rudimenten und Relikten in den Märchen, Sagen und Legenden überliefert sind, belegen eine sehr alte und intensive Beziehung des Menschen zu vielen Tierarten.

Tiere hatten in alter Zeit mythologische Bedeutung und wurden mitunter sogar für Gottheiten gehalten. Der Wald selbst wird in der finnischen Götterlehre zu einer göttlichen Person, dem Tapio. Die Tiere des Waldes stehen unter seinem besonderen Schutz.

Tiere spielten außerdem eine wichtige Rolle für die Erklärung von Naturerscheinungen. Nach einem Edda-Lied kommt der Wind über das Wasser für den Menschen unsichtbar von den Schwingen des Jötun Hrasvely angetrieben, der in Adlersgestalt am Ende des Himmels sitzt. Außerdem wurden die Jahreszeiten durch das Erscheinen und Verschwinden bestimmter Tiere angeküdigt. Der Kuckuck kündete z.B. das Jahr. Im Winter herrschte die Eule.

Wesentliche Fortschritte auf dem Gebiet der Tierkunde wurden bereits in der vorwissenschaftlichen Zeit erzielt, insbesondere mit der Domestikation der Haustiere in der ‘jungsteinzeitlichen Revolution‘, die Hand in Hand ging mit der Entwicklung der Kulturpflanzen. Diese Leistungen waren ohne eine genaue Kenntnis der Tiere, ihrer Lebensweise und ihres Verhaltens nicht möglich. Eine sehr frühe, intensive Beschäftigung des Menschen mit Tieren belegt u.a. die ethymologische Verwandtschaft der Tiernamen in verschiedenen Sprachen:


Sanskrit

griechisch

lateinisch

deutsch

sonstige

pacu

poon

pecus

Vieh

faihu (gotisch)

go

bous

bos

Kuh

chuo (gotisch)

ukshan

-

vacca

Ochs

anshan (gotisch)

sthuura

tauros

taurus

Stier


avi

is

ovis

Schaf

avistr (gotisch)

su-kara

us

sus

Schwein


cyvan

kuon

canis

Hund


hansa chän


anser

gans

gander (engl.)

madhu

methu


Meth


mush

mys

mus

Maus


makshika

muia

musca

Mücke


krimi

helmis

vermis

Wurm

kriminis (litauisch)

babrhu

-

fiber

Biber

braun

sarpa

herpeion

serpens

Schlange

sarff (keltisch)

ahi

engchelos

anguilla

Unke

Eng, Echse, Aal

udras

hydra (Wasserschl.)


Otter

udra (litauisch)

kokila

kokkus

cuculus

Kuckuck

Gauch (altdeutsch)

karavas

korax

corvus

Krähe


mushka (Hoden)

-

-

Moschus



Einige Tiernamen, wie z.B. Bär (= Braun) sind Tabuworte. Man wagte in alter Zeit den wahren Namen des Tieres (Arktos) nicht auszusprechen. Diese Umschreibungen und viele andere Indizien deuten auf uralte Tierkulte und Tierreligionen auch in unserem Raum hin.

Manche Tiere galten als edel, z.B. Bär, Eber und Hirsch, andere unedel oder wie in der Bibel eingehend erörtert wird, als unrein wie z.B. der Hund oder Nagetiere. Vielfach glaubte man, daß Tiere ähnlich wie der Mensch mit Charakter, Geist und Sprache ausgerüstet seien, aber durch menschliche Schuld bzw. menschlichen Frevel an der Natur verstummt seien.


Bestimmungsübungen an Vögeln und Säugern

Last modified: 21.05.02