Fam. Viperidae

Vipern

[ Reptilia , Squamata , Serpentes ]

© Arie van der Meijden



Merkmale

43 Arten echter Vipern sind bekannt. Sie sind über Europa, Asien und Afrika verbreitet und stehen verwandtschaftlich den amerikanischen Grubenottern (Crotalidae) nahe, zu denen auch die Klapperschlangen gehören. Viperidae unterscheiden sich von den Grubenottern durch das Fehlen der 'Grube', einem Wärmesinnesorgan vor den Augen.

Alle Vipern besitzen einen typischen Giftapparat, der wirksamer ist als derjenige der meisten anderen Schlangen. Jede der zwei Giftdrüsen mündet unmittelbar am Grund eines langen hohlen Giftzahns. Wenn die Schlange zustößt, dringen die Giftzähne in die Beute ein und das Gift tritt aus der Spitze des Giftzahns aus. Auf diese Weise wird es sehr wirksam tief in das Opfer injiziert. Die Giftzähne sind auch beweglich. Bei Gebrauch richten sie sich nahezu senkrecht zum Oberkiefer auf, während sie sonst nach hinten umgeklappt, in einer weichen Bindegewebsscheide eingeschlossen am Gaumendach liegen.

Alle sieben europäischen Vipernarten gehören zur Gattung der Ottern (Vipera). Sie sind die einzigen wirklichen und gefährlichen Giftschlangen in unserem Gebiet.

Die europäischen Vipern haben einen ziemlich kräftigen Körper mit kurzem Schwanz und oft dreieckigem Kopf. Die Rückenschuppen sind kräftig gekielt und häufig sind fast alle Schilder der Kopfoberseite unterteilt. Die verhältnismäßig kleinen Augen besitzen senkrechte Pupillen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Schlangen ist das Afterschild bei den Vipern ungeteilt. Bei einigen Arten kommt es auf der Schnauzenspitze zur Ausbildung eines weichen, schuppigen Schnauzenhorns.

Schnauzenhorn der Sandotter Vipera ammodytes (links) und der Aspisviper V. aspis (rechts).

Biologie

Vipern leben häufig am Boden, wenngleich einige Arten auch auf Steinhaufen und niedrige Büsche klettern können. Sie schwimmen nur selten. Alle Arten sind tagaktiv, wenn die Nachttemperaturen hoch genug sind, auch nachtaktiv. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Kleinsäugern (Mäuse, Wühlmäuse, Spitzmäuse), Vögel oder Eidechsen.

Soweit sie nicht gestört werden, bewegen sich alle europäischen Vipern verhältnismäßig langsam. Sie jagen häufig aus ihrem Versteck heraus, indem sie nach der vorbeilaufenden Beute stoßen, um ihr den Giftbiß zu versetzen. Säugetiere werden nach dem Biß nicht festgehalten. Sie werden vielmehr der Giftwirkung überlassen und anschließend von der Viper durch Verfolgen der Geruchsspur aufgesucht und verschlungen. Im Gegensatz dazu werden Vögel, Echsen und Insekten in der Regel festgehalten und das Verschlingen beginnt, sobald sie aufhören, sich zu bewegen. Vipern können auch in den Gängen von Säugetieren nach Beute jagen.

Die meisten Arten sind lebendgebährend (ovo-vivipar). Vor der Paarung kann es zwischen rivalisierenden Männchen zum Kommentkampf kommen. Die Tiere richten sich dabei auf, pressen sich gegenseitig aneinander und das schwächere Tier zieht sich dann gewöhnlich vom Kampf zurück.

In kälteren Klimazonen halten Vipern oft gemeinsam eine Winterruhe.


Beispiele

Kreuzotter - Vipera berus



Kreuzotter - Vipera berus

Aspisviper - Vipera aspis

Wiesenotter - Vipera ursinii


Bestimmungsübungen an Vögeln und Säugern

Last modified: 25.12.02