Ord. Anguilliformes

Aalfische

[ Osteichthyes ]


Fam. Aale Anguillidae

Schlangenförmig, ohne Schuppen. Unpaare Flossen zu gleichmäßig hohen Flossensaum verwachsen. Von den paarigen Flossen sind nur die Brustflossen erhalten.

Europäischer Flußaal Anguilla anguilla: Die Biologie dieser Art ist in vielen Punkten noch rätselhaft. Er kommt nur in den europäischen, nordafrikanischen und vorderasiatischen Gewässern vor, die in den Atlantik oder das Mittelmeer münden. Dort wurden jedoch niemals geschlechtsreife Tiere oder Laich gefunden. Deshalb glaubte bereits Aristoteles, daß Aale durch Urzeugung aus dem Schlamm der Gewässer, bzw. aus Eingeweidewürmern entstehen. Diese Ansicht bestand bis in das 19. Jahrhundert.

Katadrome, weitwandernde Art: Laichplatz in der Sargassosee (Golf von Mexiko), wahrscheinlich in einer Tiefe von 200 - 400 m. Die durchscheinenden Larven mit kleinen Köpfen ('Dünnköpfe') und bezahnten Kiefern steigen an die Meeresoberfläche. Sie werden mit dem Golfstrom an die Küsten Europas gespült und durch das Mittelmeer bis an die Mündungen der vorderasiatischen und nordafrikanischen Flüsse (z.B. Nil) vertriftet. Ob sie auch durch das Schwarze Meer bis in die Donau gelangen, ist umstritten. Einige Ichthyologen glauben, daß sie dort nur vom Menschen ausgesetzt für beschränkte Zeit existieren können. Dies erklärt allerdings nicht die gelegentlichen Massenfänge von Aaalen im Gewässersystem der Donau.

Sie wachsen bei ihrer weiten Wanderung auf dem Meer bis zur Länge und Breite eines Weidenblatts ('Weidenblattstadium') heran In diesem Stadium sind die Aallarven geschlechtlich noch nicht differenziert und möglicherweise auch noch nicht determiniert. Im Mündungsbereich der Flüsse ändern die Aallarven ihre Gestalt: Sie werden drehrund und beweglicher, bleiben allerdings zunächst noch durchscheinend ('Glasaale'). Die weiblichen Jungaale steigen dann in die Flüssen und Seen auf, die mit dem Atlantik in Verbindung stehen. Die männlichen Aale bleiben dagegen zeitlebens im Mündungsbereich der Flüsse und Ströme. Sie ziehen später mit den abwandernden Aalweibchen zu den Laichplätzen in den Golf von Mexiko. Die 'Steigaale' ziehen dagegen in Schwärmen meist am Ufer der Gewässer bergauf und sind bald dunkel pigmentiert.

Sie verbleiben 5 - 15 Jahre in den Binnengewässern und ernähren sich vorwiegend von Fischen, Würmern, Muscheln, Krebsen, Insektenlarven und ähnlichen niederen Tieren. Weibchen werden bis zu 1 m lang und 3 kg schwer, die Männchen bleiben kleiner. Die heranwachsenden Aale haben einen gelben Bauch (Gelbbauchaale).

Mit dem Beginn der Geschlechtsreife nehmen die Aale keine Nahrung mehr auf und der Bauch wird silberfarben (Silberaale). Sie werden nun von einem unaufhalt-samen Trieb erfaßt, bergab zum Meer zu gelangen. Dieser Trieb der im Spätsommer einsetzt, ist auch von den Mondphasen abhängig und am stärksten ausgeprägt im letzten Viertel des abnehmenden Mondes. Aale wandern vor allem nachts, tagsüber ruhen sie meist in Verstecken. Treffen sie auf ein unüberwindlich erscheinendes Hindernis, versuchen sie auch über Land zu wandern. Davon berichtet bereits Albertus Magnus (1193-1280) in einem Tierbuch: "Der Aal soll auch ettwan des nachts ausz dem wasser schliefen auf dem feldt, da (dort) linsen, erbsen oder bohnen gesehet sindt."

Der Zug der zu den Laichplätzen wandernden Aale, die dabei volle Geschlechtsreife erlangen, verliert sich bereits im Mündungsbereich der Flüsse in der Tiefe des Antlantiks. Sie nutzen für ihre Wanderung zum Golf von Mexiko wahrscheinlich die Tiefenströmung, die dem Golfstrom entgegengesetzt ist. Nach dem Ablaichen sterben die Elterntiere in der Tiefe des Meeres ab. Somit ist die Sargasso-See die Wiege und das Grab der europäischen Aale.

Auf ihren weiten Wanderungen haben die Aale in allen Stadien einen gewissen Schutz gegen Freßfeinde, da ihr Serum ähnlich wie bei einigen anderen Fischen giftig ist. Dieses Gift wird allerdings beim Erhitzen des Fleisches zerstört.

Vermutlich ist der Zug der europäischen Aale viele Millionen Jahre alt und stammt noch aus einer Erdepoche, in der die beiden Kontinente Europa und Amerika wesentlich näher beieinander lagen. WEGENER (1920) hat den Zug der europäischen Aale über so weite Distanzen als einen Beweis für seine 'Kontinentalverschiebungstheorie' angeführt.

Zur Familie der Anguillidae gehört ferner der nordamerikanische Aal, der im Südantlantik laicht und die Muräne, die zeitlebens im Meer lebt.


Bestimmungsübungen an Vögeln und Säugern

Last modified: 20.06.02