Sciurus vulgaris - Eichhörnchen

Sciurus vulgaris

Eichhörnchen

[ Mammalia , Rodentia , Sciuridae ]

© Monika & Richard Fellinger


Merkmale

Sciurus vulgaris - Eichhörnchen

Baumtier. Schwanz ungefähr so lang wie Körper und von der Basis an buschig behaart (Fallschirm). Unterseite stets weiß, Oberseite individuell sehr variabel von schwarz bis hellgelb. Ohren im Winter mit Haarpinsel. Tasthaare (Vibrissen) auch über den Augen, an den Wangen und an den Unterarmen. Der erste Prämolar im Oberkiefer ist sehr klein.


Verbreitung

In der Wald- und Waldsteppenzone Eurasiens. Im Hochgebirge bis zur Baumgrenze ebenso in den borealen Wäldern von Finnland und Rußland. Im Mittelmeergebiet nur in dichten Wäldern. Fehlt auf den Mittelmeerinseln. Auf verschiedenen westeuropäischen Inseln ausgesetzt.


Biologie

Lebensraum

Boreale Nadelwälder, sekundär auch in Laubwäldern und Parks.

Lebensweise

Sciurus vulgaris - Eichhörnchen

An Wälder mit Samenbäumen gebunden. Bevorzugt nadelholzreiche Mischwälder, wo ständig Samen verfügbar sind. Wie wichtig das Nahrungsangebot ist, zeigen Vorkommen in Großstädten. Bei ganzjähriger, regelmäßiger Fütterung pflanzen sich Eichhörnchen in Parkanlagen, Friedhöfen oder Hinterhöfen fort, wo der Baumbestand für ein vom Menschen unabhängiges Dasein nicht ausreichen würde.

Tagtier, das besonders am Morgen rege ist. Aktionsraum 1050 ha. Kein ausgeprägtes Revierverhalten. Kein Winterschlaf, bleibt jedoch im Winter bei strengem Frost oft mehrere Tage im Unterschlupf.

Baut überdachte Nester (Kobel) auf einzelnen, hohen, Bäumen, bevorzugt auf Fichten. Die Kobel liegen meist in einer Astgabel direkt am Hauptstamm. Sie haben ein oder zwei seitliche Eingangslöcher und bestehen aus zwei Hüllen. Die äußerste Schicht wird aus Zweigen gefertigt; diese stammen meist von dem Baum auf dem das Tier nistet. Das Nestinnere ist mit Federn, Moos, Bast u. dgl. weich ausgepolstert. Den Bast schält das Eichhörnchen von dünnen Zweigen. Der äußere Durchmesser der Kobel beträgt 30-40, der Innendurchmesser 12-16cm. Zum Bau wird oft ein Nest des Habichts oder der Elster verwendet. Außer dem Hauptkobel werden meist noch einige Reservekobel angelegt und sogenannte ,,Schattennester". Letztere sind innen nicht weich ausgepolstert und dienen dem Eichhörnchen als Schutz bei der Nahrungsaufnahme.

Nahrung

Fraßspuren des Eichhörnchens - Sciurus vulgaris

In erster Linie Samen, Knospen und Triebe der Nadelbäume. Hauptnahrung sind Koniferensamen, Bucheckern, Eicheln und Haselnüsse, ferner Walnüsse, Hainbuchensamen, Roß- und Edelkastanien, verschiedene Beeren, Pilze, Gallen, z.B. Fichtengallen von Sacchiphantes viridis und abietis, Blüten und Knospen von Laub-und Nadelhölzern sowie junge Rinde. Außerdem frißt das Eichhörnchen Insekten und deren Larven, auch Blattläuse, Ameiseneier, Schnecken, und sogar Jungvögel. Ein Eichhörnchen verzehrt täglich 35-80 g Futter. Am meisten fressen Eichhörnchen gegen Ende ihrer Tagesaktivität.

Samen, Knospen und andere Pflanzenteile, vor allem Gallen werden mitunter auch wegen der darin enthaltenen Einmieter oder Schädlinge befressen (Scheinfraß). Z.B. nagten Eichhörnchen Larven von Laspeyresia conicolana aus Kiefernzapfen heraus.

Sammelt Vorräte, vor allem Samen, aber z. B. auch Pilze, die teils vergraben, in Baumhöhlen versteckt, bzw. in Rindenrissen oder Astgabeln festgeklemmt werden. Nüsse oder Eicheln werden bevorzugt so abgelegt, daß sie Wurzeln oder den Stamm eines Baumes berühren. Die Verstecke werden nicht gelernt, sondern durch Absuchen geeigneter Stellen wiedergefunden, wobei der Geruchssinn eine wichtige Rolle spielt. Im Boden liegende Haselnußkerne riecht das Eichhörnchen aus 30 cm Entfernung.

Fortpflanzung

Paarung frühestens Ende Dezember. Tragzeit 38 Tage. Erste Würfe Ende Januar, letzte im August, insgesamt jährlich 1-2 mit jeweils 2-5 Jungen. Paarungsspiel mit intensiven Verfolgungsjagden, an denen mehrere Männchen beteiligt sein können. Weibchen mit 1-3 Jahren geschlechtsreif. Höchstalter 1-12 Jahre. Nur 20-25% der Jungtiere werden älter als 1 Jahr. Zyklische Populationsschwankungen und Wanderungen im Zusammenhang mit Waldsamenjahren, insbesondere von Pinus cembra sibirica in Nordrußland. Wichtigster Feind ist der Baummarder.


Bedeutung

Das Eichhörnchen schadet in der Forstwirtschaft durch Vernichten von Samen und Keimlingen der Waldbäume, durch Ausfressen von Knospen, Abbeißen junger Triebe und Abschälen von Baumrinde. Außerdem kann es Ameisennester sowie Gelege und Bruten nützlicher Vögel zerstören.



Bestimmungsübungen an Vögeln und Säugern

Last modified: 18.01.03