Clethrionomys glareolus

Rötelmaus - Redbacked Vole

[ Mammalia , Rodentia , Arvicolidae ]


Verbreitung

Häufigstes Säugetier in Mitteleuropa, euryök und demzufolge weit verbreitet mit Schwerpunkt in Buchen- und Mischwäldern sowie in Zwergstrauchgesellschaften. Besonders im Süden an die Verbreitungsgrenze der Buche gebunden, also z. B. nur im Norden der Iberischen Halbinsel und in Nordgriechenland vorkommend. In England und Skandinavien weiter nach Norden verbreitet als die Laubwälder, bis an den 68. Breitengrad, im Osten bis zum Altai-Gebirge. In den Alpen auch über der Baumgrenze in 2400m nachgewiesen, besonders häufig jedoch in den Bergmischwäldern der unteren Hanglagen.


Merkmale

Kleine Maus mit einer Kopf-Rumpflänge von 8-I20 mm, in den Alpen etwas größer und kräftiger (C. glareolus ruttneri). Rücken rostbraun, dem Buchenfallaub angepaßt, Flanken graubraun oder bräunlich, meist cremefarben überhaucht, Unterwolle grau, Bauch weißlich, Pfoten hell, Schwanz deutlich zweifarbig mit schwarzen, etwas längeren Haaren am Ende. Schwanz relativ lang, etwa 60 % der Kopf-Rumpflänge. Ohren relativ groß.

Schaedel der Rötelmaus.

Der Schädel der Rötelmaus ist im Vergleich zu dem von Microtus zart gebaut, stärker gerundet und zwischen den Augenbögen stark eingeschnürt.

Backenzähne der Rötelmaus

Backenzähne der Rötelmaus:

Ähnlich wie andere Wühlmausarten bildet die Rötelmaus schmelzfaltige, nicht bekronte Backenzähne mit einem typischen Schmelzschlingenmuster aus.

Allerdings bildet die Rötelmaus, im Gegensatz zu anderen Wühlmausarten, mit zunehmendem Alter eine Zahnwurzel aus. Sie steht somit den Echten Mäusen nahe.

Die Dentindreiecke auf den Backenzähnen sind meist nicht geschlossen. In der nebenstehenden Abbildung ist ein Blick durch eine Lupe auf die Kauflächen der Backenzähne (M1, M2, M3 = Molaren 1-3) im linken oberen (lo) und im rechten unteren Kieferast dargetellt (proximal = zur Körpermitte, rostral = zur Mundöffnung gerichtet). Erwachsene Tiere bilden an jedem Molar im Lauf des Lebens zwei Wurzeln aus, am ersten oberen Backenzahn gelegentlich auch drei.

Zweiter oberer Backenzahn der Rötelmaus (M2)

Zweiter oberer Backenzahn der Rötelmaus (M2):

Anhand der Ausbildung der Zahnwurzel kann man das Alter der Rötelmaus schätzen.


Biologie

Typischer Buchenwaldbewohner. Tritt in Mastjahren der Buche oder Eiche auch im Inneren der Altbestände in Massen auf. Sonst häufig in Forstkulturen mit beerentragenden Sträuchern (z.B. Himbeere, Brombeere, Heidelbeere etc.) oder mit einer üppig entwickelten krautigen Flora. Weniger häufig in den stark vergrasten Biotopen.

Besonders aktiv in den Dämmerungszeiten bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang und in der Tagesmitte um 12:00 Ortszeit.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung findet gewöhnlich im Sommerhalbjahr statt. Sie ist in nahrungsarmen Jahren auf die Monate Mai bis Juli begrenzt. Bei gutem Nahrungsangebot bzw. nach einer Buchenmast wird sie auf den Zeitraum von März bis November ausgedehnt, in den Bergwäldern sogar auf das ganze Jahr, also auch auf die Wintermonate. Die Tendenz zur Wintervermehrung ist bei den Populationen im Gebirge stärker ausgeprägt als bei den im Tiefland lebenden.

Die Fotoperiode bzw. die Tageslichtlänge ist ein wichtiger Faktor für den Beginn der sexuellen Aktivität. Entscheidend ist jedoch das Nahrungs- und Raumangebot. Ferner wird die geschlechtliche Entwicklung junger Männchen durch die Anwesenheit sexuell reifer und dominanter Geschlechtsgenossen verzögert oder unterdrückt. Nach Freilanduntersuchungen in Polen wurden weibliche Rötelmäuse nur dann trächtig, wenn das eigene Territorium eine bestimmte Mindestgröße nicht unterschritt.

Die Tragzeit beträgt 18-23, im Mittel 21 Tage. Bis zur Menopause setzt ein Weibchen etwa zwei bis drei Würfe ab. Die Wurfgröße beträgt 1-7, im Durchschnitt 3,5 Junge. Weibchen können bereits mit 4, Männchen mit 8 Wochen geschlechtsreif sein, wobei 7-8 mm lange Hoden mit der Spermaproduktion beginnen. Das rasche Anwachsen einer Population in manchen Sommern ist vor allem durch die frühe und hohe Beteiligung von Jungtieren an der Vermehrung bedingt.

Nahrung

Rötelmausschaden an Hainbuche

Die Nahrung ist sehr vielseitig, jedoch werden Samen, insbesondere Bucheckern, Insekten und Pilze (z.B. die Fruchtkörper unterirdisch fruktifizierender Ascomyceten) bevorzugt angenommen. Die animalische Nahrungskomponente ist im Frühsommer am größten und besteht hauptsächlich aus Arthropoden, vor allem Lepidopterenlarven und -puppen, Coleopterenlarven und -imagines, anderen Insekten, Weberknechten, Spinnen und Myriapoden.

Es überwiegt jedoch stets die pflanzliche Nahrung. Auch Rinde wird zeitweise als Nahrung angenommen, vor allem dann, wenn das Angebot oder die Qualität der grünen Pflanzenmasse sehr gering ist. In Waldsamenjahren besteht der Mageninhalt vorwiegend aus Sämereien, wobei Bucheckern und Eicheln bevorzugt werden.



Bestimmungsübungen an Vögeln und Säugern

Last modified:25.01.03