Arvicola terrestris

Schermaus, Mollmaus, »Wasserratte«

[ Mammalia , Rodentia , Arvicolidae ]

© Lehrstuhl f. Tierökologie


Die Schermaus ist unsere größte heimische Wühlmaus. Sie erreichen Rattengröße (bei einem Gewicht von bis zu 320 g) und werden deshalb oft auch als »Wasserratte« bezeichnet.


Merkmale

Schermaus am Wasser.

Große plumpe Tiere mit einer stumpfen Schnauze. Ebenfalls sind Pfoten und Krallen recht kräftig ausgebildet. Die Ohren sind kurz, der Schwanz mindestens halb so lang wie der Körper. Das Fell ist einheitlich sandfarben braun bis schwarzbraun gefärbt. Auffallend sind die vorstehenden breiten und kräftigen Nagezähne. Flankendrüsen.


Verbreitung

Die Schermaus tritt in Nord- Mittel- und Osteuropa häufig auf. Sie findet sich auch auf den Inseln und fehlt lediglich in Irland. In West- und Südwesteuropa wird sie von A. sapidus abgelöst. In Finnland wird die Nordgrenze des Nadelwaldes erreicht, im Südosten nur die nördlichsten Gebiete Griechenlands und der Türkei. Bewohnt große Teile von Sibirien. Im Osten reicht ihre Verbreitung bis in den Iran. Es wurden zahlreiche Unterarten und Rassen beschrieben.


Lebensraum

Primärbiotope sind dichtbewachsene Uferzonen langsam fließender Gewässer, zum Teil auch oberirdisch. Optimal sind solche mit schlammigen Rändern und schlickigem Grund, einer Uferhöhe über 1 m, einer Wassertiefe von mehr als 0,2 m, einer Strömungsgeschwindigkeit von weniger als 0,5 m/sec und überhängender Vegetation. Hier auch mehr oberirdische Aktivität. In Finnland lebt sie sogar hauptsächlich an der Erdoberfläche.

Taucht und schwimmt gut (,,Wasserratte"). Keine obligatorische Bindung einer bestimmten Rasse an Gewässer. lm Gebirge und in der Hügellandschaft lebt sie mehr in trockenen Biotopen. Manchmal werden sogar besonders trockene Standorte bevorzugt besiedelt, z. B. mit Strandhafer bewachsene Sanddünen, Kiefernwäldchen, brachliegende Felder und Dünenaufforstungen auf Nord- und Ostseeinseln. In diesen trockeneren Biotopen lebt die Schermaus fast ausschließlich unterirdisch. Nur Jungtiere werden hier gelegentlich in oberirdisch aufgestellten Fallen gefangen.


Biologie

Schermaus in Kampfhaltung.

Die Schermaus lebt überwiegend unterirdisch. Sie wirft ähnlich dem Maulwurf Gänge auf, die aber flacher und in der Form unregelmäßiger sind. Die Erde ist feiner und meist mit Pflanzenresten vermischt. Der Maulwurf schiebt gleichmäßig geformte, hohe Erdhaufen ohne Pflanzenreste. Sein Gang endet mitten unter einem Erdhaufen. Häufig benutzen jedoch Maulwurf und Schermaus das gleiche Gangsystem. Dann ist eine Unterscheidung nicht ohne weiteres möglich.

Schermäuse besitzen ein breites vegetabilisches Nahrungsspektrum. In Feuchtbiotopen besteht es fast ausschließlich aus vegetativen Teilen von Kräutern und Gräsern.

Schwimmende Schermaus

Schermäuse können gut schwimmen und tauchen, deshalb auch der Name »Wasserratte«.

Das Höchstalter dürfte bei etwa 3.5 Jahren liegen. Für die durchschnittliche Lebenserwartung im Freiland werden etwa 4.5 Monate angenommen.

[ Fortpflanzung ]

Schermäuse haben zahlreiche Feinde, v.a. das Hermelin (Mustela erminea). Weiter kommen mit regionalen Unterschieden Mink, Iltis, Otter, Fuchs, Dachs und Hauskatze in Frage, daneben Greifvögel und Eulen. Gelegentlich fallen Schermäuse auch Störchen, Graureihern, Hechten und Forellen zum Opfer.


Wirtschaftliche Bedeutung


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Bestimmungsübungen an Vögeln und Säugern

Last modified: 26.01.03