Oryctolagus cuniculus

Wildkaninchen

[ Mammalia , Lagomorpha , Leporidae ]


Merkmale

Ohren kurz, reichen nicht bis zur Schnauzenspitze, mit schmalem dunklen Saum. Schädel: Choane schmal, Jochbeinfortsatz lang.


Verbreitung

In Europa in der Eiszeit ausgestorben. Glaciale Refugien in Spanien und im Atlasgebirge. Kaninchen wurden von den Römern in Leporarien gehalten. Im Mittelalter weiter verbreitet und in Kaninchenwerdern gezüchtet. 1149 erbittet der Abt von Corvey an der Weser einige Tiere von einem Amtsbruder in Frankreich. Sodann vor allem durch die Seefahrt weltweit verbreitet bis in die Südsee und nach Australien, wo sich Kaninchen infolge der fehlenden Feinde, Parasiten und Krankheiten massenhaft vermehrten.


Biologie

Lebensraum

Bevorzugt trockene, sandige oder kiesige Böden. Meidet staunasse Lagen. In lichten Wäldern, Forstkulturen, Parks und Gärten, an Dämmen und in offenem, hügeligen Gelände.

Lebensweise

Gräbt im Unterschied zu den Hasen eigene Baue, wo mehrere Kaninchen in einer Kolonie leben. Die Neugeborenen werden im Unterschied zu den Hasen nackt und blind geboren (Nesthocker). Sie werden jedoch nicht im Wohnbau, sondern 50-200m davon entfernt in einer 1,5-3m langen, blind endenden Satzröhre abgesetzt. Sie wird ausgepolstert mit einem Nest aus Gras und Bauchwolle der trächtigen Häsin. Das Muttertier besucht diese Satzröhre nur einmal innerhalb von 24 Stunden für wenige Minuten. Dabei ist der Wurf und die Mutter in der engen Röhre ohne Fluchtmöglichkeit sehr gefährdet. Die Jungen werden innerhalb kurzer Zeit gesäugt und nehmen dabei den gesamten Milchvorrat für 24 Stunden auf. Sie erscheinen danach ballonartig aufgebläht. Um die Zitzen der Mutter beim Säugen nicht zu verletzen und einen guten Halt zu ermöglichen, sind die Nagezähne der Jungtiere hakenförmig gekrümmt. Nach dem Säugen der Jungen verläßt das Muttertier wieder die Satzröhre und verschließt sie sorgfältig mit Erde, Laub und Gras.

Nahrung

Herbivor, mit sehr breitem Spektrum verschiedener Nahrungspflanzen. Anpassungsfähig. Gräbt vor allem eingestufte Eicheln aus und benagt die Wurzeln von ausgescharrten Jungpflanzen.

Krankheiten

Myxomatose, Sporozoen (Eimeria-Arten).

Fraßspur

Triebverbiß ähnlich wie Hase, jedoch mehr an den Seitenzweigen. Außerdem plätzeartiger Schälfraß. Breite der Zahnspuren ca. 5 mm. Besonders typisch: Ausscharren von Früchten und jungen Pflanzen bis zum Alter von ca. drei Jahren, insbesondere eingestufte Eicheln. Schäden vor allem im Gartenbau, Zierpflanzenanbau (Friedhöfe), und Landwirtschaft (Zuckerrüben).



Bestimmungsübungen an Vögeln und Säugern

Last modified: 26.01.03