Feldhase - Lepus europaeus

Lepus europaeus

Feldhase

[ Mammalia , Lagomorpha , Leporidae ]

© Monika & Richard Fellinger


Merkmale

Feldhase, Lepus europaeus

Körper: Ohren und Hinterbeine besonders lang. Ohren überragen nach vorne umgelegt die Schnauzenspitze. Augen groß. Schwanz oberseits schwarz. In trockenen Gebieten heller, in feuchten Gegenden und in Wäldern dunkler. Der dunklere "Waldhase" ist jedoch keine Rasse. Es handelt sich dabei lediglich um eine farbliche Adaption einiger Individuen. Schädel: Choane breit, kurzer Jochbeinfortsatz.

Feldhase, Lepus europaeus

Unterscheidung der Geschlechter: Wie nahezu bei allen Nagetieren ist der Abstand zwischen Genitale und Anus beim Männchen etwas größer als beim Weibchen. Bei adulten Hasen ist außerdem das Genitale unterschiedlich ausgebildet.

Position der Drüsen

Altersbestimmung: Das »Strohsche Zeichen« ermöglicht eine grobe Altersschätzung. Beim jungen Hasen ist oberhalb des Handwurzelgelenks eine Verdickung der Elle vorhanden. Man kann sie durch das Haarkleid ertasten, wenn man die Pfote im Gelenk etwas einknickt. Die verdickte Epiphyse wird mit zunehmendem Alter allmählich zurückgebildet (nach RIECK 1963). Eine genauere Altersbestimmung für wissenschaftliche Zwecke ist wie bei den meisten Säugetieren anhand des Gewichts der getrockneten Augenlinsen möglich.


Verbreitung

Eurasien und Afrika. In den Alpen bis 1600 m. Im Winter tiefer. In Irland, sowie auf den meisten Nord- und Ostseeinseln erfolgreich eingebürgert, ferner in Sibirien, Nord- und Südamerika, Australien, Neuseeland, Karibik, Hawai und auf vielen anderen Inseln. Wahrscheinlich nacheiszeitlich während der Steppenperiode von Osten her nach Mitteleuropa eingedrungen. Nach Rodung der Wälder fand er in der Kultursteppe des Menschen gute Lebensbedingungen. Mit verschiedenen Unterarten schwerpunktmäßig in Zentral- und Osteuropa bis zum Ural verbreitet. Auf der Iberischen Halbinsel und auf einigen Mittelmeerinseln durch den Kaphasen (L.capensis) vertreten. Bereitet sich in Südschweden und Südwestfinnland nordwärts und in der Sowjetunion ostwärts aus.

Lebensraum: Steppenbewohner, der sich an die Kultursteppe angepaßt hat. Benötigt jedoch Ausgleichsflächen, wie z.B. Feldgehölze, Gräben, Ruderalflächen oder lichten Wald.


Biologie

Lebensweise: Gräbt keinen Erdbau, sondern nur eine flache Sasse, z.B. zwischen Ackerfurchen. Bewohnt vor allem das ebene fruchtbare Land mit und ohne kleinere Waldbestände. In Wald-Feldbiotopen meidet der Hase den Wald nach längerem Regen, bei Laubfall, an Nebeltagen oder bei winterlichen Wärmeeinbrüchen, das Feld bei Schneelage und scharfem Ostwind.

Vor dem Beziehen des Lagers soll der Hase häufig Widergänge und Absprünge machen, um eventuelle Verfolger zu täuschen. Beim Herannahen einer Gefahr versucht der Hase zunächst im Lager unbemerkt zu bleiben und drückt sich mit zurückgelegten Ohren. Er hält eine gewisse Fluchtdistanz ein,

Feldhase, Lepus europaeus

Fortpflanzung: Zur Paarungszeit zwischen Januar und Juli vergesellschaften sich mehrere Häsinnen und Rammler. Tragzeit ca. 6 Wochen. Nestflüchter. 3-4 Würfe pro Jahr mit 2-4 Jungen. Im Uterus können sich Embryonen unterschiedlichen Alters und in verschiedenem Entwicklungszustand befinden (Superfötation). Würfe können deshalb in kürzerem Abstand aufeinander folgen als nach der Tragzeit zu erwarten wäre.

Eine hohe Vermehrungsrate ist notwendig, um die hohe Verlustrate durch Feinde und naßkalte Witterung auszugleichen. Satzzeit März bis Oktober. Hasen sind die ersten Jungtiere, die im Frühjahr erscheinen (Märzhasen). Deswegen und wegen der sprichwörtlich großen Fruchtbarkeit sind Hasen (und Kaninchen) seit alters her Symbole der Fruchtbarkeit (z.B. Osterhase, Osterei, in China: Mondhase). Im Gegensatz zum Kaninchen ist eine Zucht in Gefangenschaft kaum bzw. nur mit erheblichem Aufwand möglich. Lebenserwartung bis zu 12 Jahre. Hohe Bestandsverluste in schneereichen, bzw. naßkalten Wintern.

Nahrung: Herbivor. Gräser, Kräuter, Wurzeln, Früchte, Beeren, Pilze, Knospen, gelegentlich Insekten und andere Kleintiere. Benagt Knospen und Rinde verschiedener Waldbäume.

Fraßspuren: Knospen und Triebverbiß, insbesondere Gipfeltrieb bzw. Gipfelknospe; glatter Abschnitt; streifenweise abgezogene Rinde an Laubhölzern. Nagezahnspuren querverlaufend. Breite der Zahnspuren ca. 6 mm.



Bestimmungsübungen an Vögeln und Säugern

Last modified: 17.05.03