Ord. Chiroptera

Flattertiere

[ Mammalia ]

© Dr. Robert Thomas & Margaret Orr


Gessner (1525): 'Die Flädermäuß ist ein unreiner Vogel nicht allein im Jüdischen Gesetz verboten, sondern auch ein Greuel anzusehen. Sie kann weder unter die Mäuß noch unter die Vögel gezehlet werden, weil sie beider Gestalt an ihr hat. Wotton (1552) erkannte bereits, daß Fledermäuse zu den Säugetieren gehören. Linné (1735) ordnete sie bei den Raubtieren ein, später gemeinsam mit den Affen und Menschen bei den Primaten.

Die Chiropteren sind eine sehr alte Gruppe: Fossile wurden bereits in der eozänen Braunkohle gefunden. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt hauptsächlich in wärmeren Gebieten.

Fledermäuse sind die einzigen Vertreter der Säugetiere mit aktivem Flugvermögen.


Verbreitung

Mit Ausnahme der Polargebiete sind Fledermäuse in fast allen Lebensräumen vertreten.


Merkmale

Vorderhand ist zur Flughand umgebildet. Flügelknochen sind keine luftgefüllten Röhrenknochen, sondern mit Mark gefüllt. Sie sind ähnlich wie ein Hochseekabel gebaut: Die äußere Schicht besteht aus Längsfibrillen, die der Biegekraft entgegenwirken, das innere Rohr nimmt die Verwindungsspannung auf.

Aufbau der Flughand

Die Flughaut selbst besteht aus elastischen Bindegewebs- und feinen Muskelfasern. Sie wird vor allem vor dem Flug intensiv eingefettet.

Beine bzw. Fußkrallen sind mit einer besonderen Sperrvorrichtung ausgestattet, ähnlich wie bei den Vögeln. Fledermäuse hängen im Winterschlaf wochen-, manchmal monatelang kopfabwärts.


Biologie

Die Lebensweise und Ernährung ist sehr verschieden: Insektennahrung, Fischnahrung, Blutsauger (Vampire), Frucht- und Beerenfresser, Nektar und Pollen.

Zahlreichen Arten kommt im Rahmen der Bestäubung (Chiropterogamie) und der Samenverbreitung (Chiropterophilie) eine wichtige ökologische Rolle zu. Die Chiropterophilie hat sich wahrscheinlich mehrfach unabhängig voneinander entwickelt. Zu den Pflanzenarten, die durch Fledermäuse bestäubt oder verbreitet werden, gehören viele Wildformen tropischer Kulturpflanzen, wie Banane, Mango oder Cashew.


Systematik

Die Vertreter der Chiroptera werden in 2 Unterordnungen eingeteilt: Fledermäuse (Microchioptera) und Flughunde (Megachioptera). In Mitteleuropa sind aber nur die Fledermäuse vertreten. Bisher sind etwa 1000 Fledermausarten bekannt (= 1/6 der Säugetiere).


Microchiroptera - Fledermäuse

Hufeisennasen - Rhinolophidae


Glattnasen - Vespertilionidae

Rhinolophidae - Hufeisennasen

Molossidae - Bulldoggfledermäuse

Vespertilionidae - Glattnasen




Rhinopomatidae - Mausschwanz-Fledermäuse

Emballonuridae - Glattnasen-Freischwänze

Craseonycteridae - Schweinsnasen-Fledermäuse




Nycteridae - Schlitznasen

Megadermatidae - Großblattnasen

Hipposideridae - Rundblattnasen




Noctilionidae - Hasenmäuler

Mormoopidae - Kinnblatt-Fledermäuse

Phyllostomidae - Eigentliche Blattnasen




Natalidae - Trichterohren

Furipteridae - Stummeldaumen

Thyropteridae - Amerikanische Haftscheiben-Fledermäuse




Myzopodidae - Madagassische Haftscheiben-Fledermäuse

Mystacinidae - Neuseeland-Fledermäuse


Megachiroptera - Flughunde





Pteropodidae - Plughunde



Literatur

Helversen, von O. (1989): Bestimmungsschlüssel für die europäischen Fledermäuse nach äußeren Merkmalen (Kurzfassung). Myotis, 27, 41-60.
Schober, W. & Grimmberger, E. (1998): Die Fledermäuse Europas. 2. Auflage. Kosmos Naturführer. 265 S.

Bestimmungsübungen an Vögeln und Säugern

Last modified: 06.01.03