Amerikanischer Waschbär - Procyon lotor

Procyon lotor (Linné, 1758)

Nordamerikanischer Waschbär - Raccoon

[ Mammalia , Carnivora , Procyonidae ]

© Karin Schubert


Körper

Amerikanischer Waschbär - Procyon lotor

Kleinbär. Fuchs- bis katzengroß, dichter grauer Pelz. Schwanz mit dunklen Ringen und dunklem Ende. Charakteristische maskenartige Gesichtszeichnung ähnlich dem Marderhund (Waschbärhund). Jochbogen am Schädel weit ausladend.

Sicheres äußeres Unterscheidungsmerkmal: Schwanzfärbung.


Verbreitung

Die Heimat des Waschbären ist der nordamerikanische Kontinent und die mittelamerikanische Landbrücke . Hier ist er in vielen Unterarten vertreten. Zwischen den beiden Weltkriegen wurde er dann aus Nordamerika in Pelztierfarmen eingeführt. Eine Einbürgerung in Europa erfolgte wahrscheinlich über wiederholtes entweichen aus Pelztierfarmen.
  • Waschbären wurden in der Eifel ausgesetzt (erste gezielte Ansiedlung 1934 am Edersee in Hessen). Rasches Populationswachstum und Arealausbreitung in den 50er Jahren lassen sich sich z.T. dadurch erklären, daß Tiere auch aus Pelztierfarmen entkamen (möglicherweise bedingt durch die Kriegswirren?).

  • Vorkommen in Hessen (Taunus), Westfalen, Niedersachsen u. östlich von Berlin. Im Spreewald wurden 1970 über 500 Waschbären gezählt. Auch in Bayern kleinere Gruppen. Seit den 60er Jahren kommen sie auch in den Niederlanden, Luxemburg und Nordfrankreich vor. Etwa 1974 sind sie nach Österreich, 1976 in die Schweiz und ca. 1978 nach Dänemark eingewandert.

  • In Hessen werden sie seit 1958 nicht mehr geschützt und werden besonders im Raum Kassel bejagt, da ihre Populationen drastisch zugenommen haben. Man schätzt für 2000 etwa 50.000-100.000 Tiere in Deutschland. Wie in Nordamerika sind sie auch bei uns zu 'Stadtwaschbären' geworden. Den nachtaktiven Tieren fehlen jegliche natürliche Feinde und sorgen so für große Schäden. Als Eiräuber sorgen sie z.B. dafür, daß die Gelege der Enten nicht mehr hochkommen. Auch frisch geschlüpfte Jungvögel verschmähen sie nicht. Sie ziehen ihre Nachkommen gerne in Astlöchern und Baumhöhlen, aber auch in Dachstühlen auf. Nach 2 Monaten verlassen die Jungen ihre Behausung. Dabei werden Ausgänge in Dachstühlen auf recht radikale Art geschaffen und sorgen so für nicht unerheblichen materiellen Schaden.

Lebensraum

Nachtaktiv im Wald. In der Nähe menschlicher Siedlungen, Parkanlagen, Gärten, Campingplätze, Abfallhaufen. Bevorzugt Gewässernähe.


Nahrung

Nahrung vielseitig. Taucht Nahrung vor dem Verzehr in das Wasser und reibt sie ab. Schäden am Niederwild, Räubereien an Vogelnestern. Anpassungsfähiger Kulturfolger, der in einer technisierten Produktionslandschaft ökologische Nische gefunden hat.


Literatur

Lutz, W. (1998): Erfahrungen mit ausgewählten Säugetierarten und ihr zukünftiger Status. In: Gebhardt, Kinzelbach & Schmidt-Fischer (Hrsg), Gebietsfremde Tierarten. Auswirkungen auf einheimische Arten, Lebensgemeinschaften und Biotpe - Situationsanalyse. ecomed Verlagsgesellschaft, ISBN 3-609-69420-3: 297-310.



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Bestimmungsübungen an Vögeln und Säugern

Last modified: 23.01.03