Vögel als Brutschmarotzer

Unter den Vögeln gibt es eine ganze Reihe von Arten, die nicht selbst brüten, sondern ihre Eier in die Nester anderer Arten legen und die Jungen von den fremden Eltern aufziehen lassen. Diese Arten werden als Brutschmarotzer bezeichnet. Neben obligatorischen Brutschmarotzern, gibt es auch fakultative Brutschmarotzer.

Reine Brutschmarotzer finden sich zum Beispiel unter den Spechtvögeln , den Stärlingen und den Webervögeln. Insgesamt rund 80 Arten haben diese Lebensweise angenommen.


Kuckucke

Kuckucke werden zwar immer mit dem Begriff Brutschmarotzer in Verbindung gebracht, allerdings leben nur etwa 50 Arten als obligatorische Brutschmarotzer, rund 80 Arten bauen und füttern selbst! Die schmarotzende Kuckucke gehören 2 Unterfamilien, das Schmarotzertum hat sich daher bei den Kuckucken wenigstens zweimal unabhängig voneinander entwickelt.

Als Eltern werden fast durchweg Sperlingsvögel in Anspruch genommen. Soweit bekannt, wurden niemals Eier in die Nester brütender Kuckucks-Arten gelegt, überhaupt kaum in die Nester von Arten , die nahe mit den Kuckucken verwandt sind. Gewöhnlich sind die einzelnen Kuckucks-Arten nicht wirtsspezifisch sondern »benutzen« verschiedene Arten. Von den 130 Singvogel-Arten sind fast 90 Arten als »befallen« gemeldet worden.

Natürlich wehren sich die Wirtseltern, sie »hassen«, d.h. sie greifen Kuckucke, besonders in Nestnähe, an. Dabei kann es durchaus vorkommen, daß mehrere Arten gemeinsam einen Kuckuck angehen und ihn vertreiben.

Dieses Abwehrverhalten hat natürlich zu speziellen Anpassungsmechanismen geführt. So besuchen Kuckucke die Nester besonders zu Nachmittagsstunden, den Ruhezeiten vieler Wirte. Bis diese auf den Kuckuck aufmerksam werden, ist er wieder verschwunden. Die Dauer der Eiablage ist sehr kurz und kann im Extremfall weniger als 10 Sekunden betragen. Eine weitere Anpassung ist die Größe und Farbe der Eier. Die einzelnen Wirtsarten reagieren recht unterschiedlich auf andersartige Eier. Grasmücken reagieren sehr empfindlich und entfernen andersartige Eier oder geben das Gelege auf und beginnen eine Zweitbrut, Möwen z.B. kann man aber so gut wie alles unterschieben.

Bei unserem heimischen Kuckuck macht das Männchen geeignete Nester ausfindung. Nach der Paarung führt es das Weibchen zu dem Nest. Es lockt dann die Wirtseltern vom Nest weg, unterstützt durch seine gesperberte Färbung. Das Weibchen fliegt zum Nest, verschluckt eines der Eier und legt sein eigenes Ei zum Gelege hinzu.

Bei unserem heimischen Kuckuck kennt man etwa 15-20 verschiedene Eitypen. Das Merkmal Eiausbildung ist in den Genen des Männchens fixiert, und steht im Zusammenhang mit den Wirten, bei denen es aufgezogen ist. Auf diese Weise kommt es zu dieser starken Rassenbildung bei Kuckucken. Das Weibchen erzeugt dann ein »Zaunkönigei, wenn es von einem Männchen begattet worden ist, daß aus einem Zaunkönig-Nest stammt, oder z.B. ein Rohrsänger-Ei, wenn es von einem Männchen der Rohrsängerrasse begattet wurde.

Haben die Wirtseltern das fremde Ei einmal akzeptiert, ziehen sie den schlüpfenden Schmarotzer auch auf, obwohl dieser den eigentlichen Jungen kaum ähnlich sieht und oft doppelt so groß wie diese ist.

Das Sperrverhalten der jungen Kuckucke scheint keine direkte Anpassung an das Schmarotzertum zu sein, da auch die Jungtiere der brütenden Kuckucks-Arten sperren, kommt der Lebensweise aber sicherlich zugute. Bei unserem heimischen Kuckuck führt das nämlich dazu, daß der Schmarotzer stärker gefüttert wird, als die eigenen Jungen. Schon sehr bald nach dem Schlüpfen kommt der »Räumtrieb« des jungen Kuckucks zum tragen. Er versucht alles, also Eier und Jungtiere, aus dem Nest zu entfernen, indem er sich diese auf den Rücken lädt, an der Nestwand empor klettert und sie nach außen befördert. Hierzu hat er eine regelrechte Eimulde auf dem Rücken. Die Kotballen der Jungkuckucke sind wie bei den Singvögeln mit einer Gallerte überzogen und werden von den Pflegeeltern entfernt. Unser heimischer Kuckuck verläßt das Nest nach etwa nach 21-23 Tagen, betteln aber weiter und wird dann auch noch weiter gefüttert. Er wird etwa 3 Wochen nach dem Ausfliegen selbständig.

Tatsächlich ist der Bruterfolg beim Kuckuck mit 27% recht gering.


[ Insekten als Brutschmarotzer ]


Bestimmungsübungen an Vögeln und Säugern

Last modified: 31.01.03