Fortpflanzung der Frösche zitiert aus: Rösel v. Rosenhof: Frösche unseres hiesigen Landes, Nürnberg 1750:

Was die Erzeugung derselben anbelanget, so finden wir davon unterschiedliche Meinungen. Die Alten haben geglaubet, es entstünden die Frösche theils von sich selbst aus dem Schlamm der Sümpfe, theils aber auch durch die Paarung eines Männleins und Weibleins.

Die Neueren, bey welchen die Erzeugung aus der Fäulnis keinen Glauben mehr findet, haben die Sache genauer untersuchet und da sind sonderlich dreyerley Meinungen bekannt geworden:

  • Swammerdam, der in der Untersuchung der Insekten und anderer Tiere seines gleichen nicht hat, saget, das Männlein pflege das Weiblein mit seinen vorderen Füssen oder Armen zu umfassen, und den Laich, wann solchen das Weiblein aus dem Hintern von sich gibt, mit seinem Samen aus dem After zu besprengen und zu befruchten.

  • Eine ganz andere Meinung hat der berühmte leipzigische Prof.Fr. Menz, deme die erstere nicht unbekannt seyn könne, weil er des gelehrten de Heide Observationen gelesen, der eben dieselben in folgenden Worten vorbringt: Das Männlein welches das Weiblein mit seinen vordern Füssen, die zu diesem Ende mit rauhen Daumen versehen, fest umfasset, befördert nicht nur allein die Geburt der eyer, sondern besprenget sie auch, weil ihm das Zeugungsglied zu mangeln scheinet. Ob nun gleich überdem dieser Meinung die Struktur der Theile nicht zuwider ist, welche eben dieser de Heide zugleich aus dem Weiblein beschreibet: So hat sie doch den Beyfall Menzens so wenig erhalten, daß er vielmehr eine ganz paradoxe vorbringt, und dafür hält, wann das Männlein das Weiblein umfasse, so drucke es den mit einem besonders kleinen Fleisch versehenen Daumen an der Brust des Weibleins an, und da gehe der Same aus selbigen durch das schwammige Fleisch der Brust in den Canal, der aus des Weibleins Mutter in die Höhe steiget, und komme sodann durch unbekannte Wege zu dem Eyerstock, und befruchte die in selbigen enthaltenen Eyer.

  • Die dritte Meinung von der Erzeugung der Frösche, schreibt sich nach Raji Bericht vom Entio her, welcher auch Charleton Beyfall giebt, und nach dieser geschiehet die Erzeugung und Geburt der Frösche durch den Mund.

Ob aber der Herr von Reaumur in Untersuchung dieser Sache eine der Natur gemäßere Art gefunden habe, wie Herr Linnäus saget, werden wir erfahren, wann er seine Erfindung bekannt machen wird. Was aber von mir in dieser Sache beobachtet worden, will ich nunmehr erzählen.’

Wie gelangen die Eier in die Eierstöcke?

Wie dieses zugehe weis Swammerdam nach seinem Geständnis nicht. Auch de Heide gab eine ungefähr richtige Beschreibung. Ein gewisser Herr Menz will hievon jedoch gar nichts wissen und wiederspricht auf folgende Weise: De Heide hat den rechten Weg der Eyer verfehlet und eine Art der Empfängnis erdacht, die der Structur der Eyergänge und ihrem Zusammenhang ganz zuwider ist: indem er sich einbildet, die Eiergänge seyen an ihrem oberen Ende offen, lägen im Unterleib frei und hätten die Form eines Trichters, ergriffen die in den hohlen Leib gefallenen Eyer, und brächten dieselben durch einen engeren Canal, der hernach wieder weiter würde in die Gebärmutter.

Wir wollen nun an dem Exempel Herrn Menzens zeigen, wie leicht diejenigen irren, die sich alleine weis zu sein duncken. Da er einmal die Meinung angenommen hatte, die Befruchtung der Eyer der Frösche geschehe durch die Brust, so mußten die Eyergänge dahingehen, weil er sonst keinen Weg wußte, durch welchen der Same zu den Eyern kommen könnte.’

R.v.R. klärt den anatomischen Bau auf, indem er mit einem feinen Blasrohr Luft in die Tuben blies. Er erkannte auch, daß das auf dem Rücken des Weibchens sitzende Männchen, die von den Eierstöcken frei in der Leibeshöhle entlassenen Eier in die Eileiter preßt. Die aus der Kloake hervorquellenden Eier werden dann außerhalb des Körpers im Wasser besamt.


Bestimmungsübungen an Vögeln und Säugern

Last modified: 25.04.00