Rana ridibunda - Seefrosch

Rana lessonae - Kleiner Teichfroschs

Rana esculenta - Wasserfrosch

[ Amphibia , Anura , Ranidae ]


Seefrosch - Rana ridibunda: Bis zu 17 cm. Hinterseite der Schenkel ohne Gelb oder Orange. Schallblasen der Männchen grau. Fersenhöcker klein.

Kleiner Teichfrosch - R. lessonae: Meist kleiner, Schenkelhinterseite gelb. Große Fersenhöcker.

'Wasserfrosch' 'R. esculenta': Schenkelhinterseite gelb. Große Fersenhöcker. Schallblasen meist weiß. Hybridform von See- und Teichfrosch.


Seefrosch Rana ridibunda, Kleiner Teichfrosch Rana lessonae und ‘Wasserfrosch Rana esculenta’ bilden eine komplexe heimische Amphibiengruppe, deren Verwandtschaftsgefüge noch immer nicht ganz geklärt ist. Der Kleine Teichfrosch wurde erst in jüngerer Zeit zunehmend als selbständige Art erkannt. Frühere Autoren haben ihn meist nicht vom Wasserfrosch unterschieden und beide Formen als zusammengehörig behandelt. Seefrösche und Kleine Teichfrösche hybridisieren zudem gelegentlich und bilden dann als Nachkommen ‘Wasserfrösche’. Eine solche Hybridisierung ist höchstwahrscheinlich der Ursprung der ‘Wasserfrösche’ schlechthin. In der Regel sind Hybride (Bastarde) der Wirbeltiere steril (z.B. Maultier). Die meisten ‘Wasserfrösche’ sind jedoch fruchtbar und können sich durch Paarung untereinander oder mit einer der beiden Elternarten erhalten. Das Ergebnis einer solchen Paarung sind dann nicht Zwischenformen, sondern wiederum ‘Wasserfrösche’, Seefrösche oder Teichfrösche. Es findet in diesem Fall also keine vollständige Aufspaltung nach der Spaltungsregel der Mendelschen Gesetze statt. Der Wasserfrosch scheint in vier unterschiedlichen Formen zu existieren, die im Freien aber nicht eindeutig unterschieden werden können. Die eine paart sich oft mit dem Kleinen Teichfrosch fruchtbar, die andere mit dem Seefrosch. Die übrigen zwei sind triploid, d.h. sie verfügen über einen zusätzlichen Chromosomensatz und sind wahrscheinlich steril. Die diploiden Formen können sich untereinander fruchtbar paaren, wobei meistens Wasserfrösche, gelegentlich aber auch Seefrösche und Kleine Teichfrösche entstehen.

Diese eigenartige Erscheinung, bei der eine Form hybriden Ursprungs sich durch Paarung mit einer der beiden Elternarten erhalten kann, scheint auf einem besonderen Chromosomenmechanismus zu beruhen. Alle Wasserfrösche haben zumindest je einen Chromosomensatz des Seefroschs und des Kleinen Teichfroschs, wie es für die erste Hybridgeneration zu erwarten ist. Aber überraschenderweise werden die Chromosomen bzw. Gene der beiden Sätze bei der Keimzellenbildung (Meiose) des ‘Wasserfroschs’ nicht vermischt. Statt dessen enthalten die Eier oder Samenzellen oft nur die Chromosomen einer der beiden Elternarten. So besitzen zum Beispiel die Keimzellen eines Wasserfroschs, der sich mit einem Seefrosch fortpflanzt, oft nur Chromosomen des Kleinen Teichfroschs. Die aus einer solchen Paarung hervorgehenden Nachkommen haben dann sowohl einen Chromosomensatz des Kleinen Teichfroschs als auch einen solchen des Seefroschs. Sie sind somit ‘Wasserfrösche.

Beim ‘Wasserfrosch’ Rana esculenta handelt es sich also nicht um eine Art im herkömmlichen Sinn, sondern um eine komplexe Hybridform. Um dies zu verdeutlichen, wird der wissenschaftliche Name des Wasserfrosches in den Bestimmungsschlüsseln und in den Artbeschreibungen nur in Anführungszeichen gebraucht, also ‘Rana esculenta’. Diese formale Unterscheidung soll nicht zuletzt auch der Ansicht derjenigen Autoren Rechnung tragen, die ‘Rana escuIenta’ als eine im Entstehen begriffene Art durch Introgression ansehen.

Ähnliche Hybridisierungsvorgänge wurden in neuerer Zeit auch bei verschiedenen Krötenarten entdeckt (z.B. Kreuzkröte x Wechselkröte). Die zugrundeliegenden Vererbungsmechanismen werden z.Z. eingehender untersucht.


Bestimmungsübungen an Vögeln und Säugern

Last modified: 02.06.02